Köln.Sport

Flüchtlinge: Kölner Sport solidarisch

Auch die Volleyballdamen des FC Junkersdorf müssen in andere Hallen ausweichen. Foto: Volleyball-Förderverein SG FdG Herne e.V.

Auch die Volleyballdamen des FC Junkersdorf müssen in andere Hallen ausweichen.
Foto: Volleyball-Förderverein SG FdG Herne e.V.

Die Dreifachhalle in Weiden hält bis Mitte Januar als Notunterkunft für Flüchtlinge her – wovon der Kölner Sport weitreichend betroffen ist.

Köln ist weiter bemüht, Lösungen für die Unterbringung von insgesamt 4.900 Flüchtlingen zu schaffen. „Nur wenn Politik und Verwaltung an einem Strang und in dieselbe Richtung ziehen, kann es gelingen, eine humanitäre Notlage in Köln zu vermeiden“, mahnt Ursula Gärtner, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Stadtrat.

An einem Strang ziehen – genau das hat der organisierte Sport in Köln getan. Als bekannt wurde, dass die Dreifachhalle im Schulzentrum Weiden bis Mitte Januar als Notunterkunft für rund 200 Flüchtlinge herhalten muss, waren davon gleich sieben Sportvereine betroffen.

Das Sportamt der Stadt Köln reagierte darauf umgehend. „Als das Anliegen an uns herangetragen wurde, haben wir sofort entschieden, dies vorab und transparent gegenüber den Vereinen zu kommunizieren“, erklärt Sportamtsleiter Dieter Sanden gegenüber Köln.Sport. Denn es geht nicht allein um Alternativen für Trainingsstunden, sondern auch darum, den Ligaspielbetrieb aufrecht zu erhalten. „Der Sport braucht Planungssicherheit, deshalb müssen ehrliche Facts auf den Tisch.“

Auch die Sporthochschule hilft

Darauf fand ein Treffen im Sportamt statt, mit dem Stadtsportbund Köln und den Sportsachbearbeitern der Bezirke, die für die Hallenvergabe vor Ort zuständig sind. Besprochen wurde das Szenario mitsamt Lösungsvorschlägen für die betroffenen Vereine FC Junkersdorf, SV Weiden, DJK Südwest, Fortuna Köln, Weidener Sportfreunde, SG 99ers und KTHC Blau Weiss. Übers Wochenende ging dann die Information über die Flüchtlingsunterbringung im Schulzentrum Weiden an die Vereine raus. Schon Montagmittag folgte ein weiteres Treffen mit den betroffenen Vereinen im Bezirksamt Lindenthal, wo im Detail informiert und Modalitäten zu Ersatzlösungen besprochen wurden.

„Mein Kollege Klaus Zander hatte zuvor schon mit der Deutschen Sporthochschule Köln (SpoHo) Kontakt aufgenommen“, erzählt Sanden. Auch dort stieß man angesichts der Problematik auf offene Ohren. „Die SpoHo hat gleich großzügig Unterstützung angeboten“, berichtet Zander. Auch mit dem ASV sei gesprochen worden, der seine Halle ebenfalls als Ersatzlösung für die Vereine bereitstellen wollte. Doch dieses Angebot habe man nicht in Anspruch nehmen müssen.

So kommen die Volleyballerinnen des FC Junkersdorf (Regionalliga) vorübergehend in der Sporthochschule unter, zudem in einer Halle im Stadtbezirk Ehrenfeld (Görlinger Zentrum). Der Mitternachtssport der Weidener Sportfreunde konnte in die Halle 1 des Sportzentrums Weiden verlegt werden. Die Basketballer von DJK Südwest führen ihre Meisterschaftsspiele nun u.a. im Bereich der Sporthalle des Gymnasiums Kreuzgasse im Bezirk Innenstadt durch. „Wir haben auch mit den betroffenen Vereinen darüber gesprochen, ob sie in ihrem eigenen Bereich etwas kompensieren können“, sagt Zander. „Auch das haben die Vereine möglich gemacht.“ Letztlich gab es bei der Erarbeitung von Lösungen ein großes Entgegenkommen von allen Seiten.

Anstatt wegen ausgefallener Trainingsstunden zu lamentieren, werden die Handballerinnen vom SC Fortuna Köln (3. Liga) auch in Sachen Flüchtlingshilfe aktiv. So postete der Klub auf seiner Facebookseite: „… Ein Dach über dem Kopf ist viel Wert, doch diesen Menschen mangelt es an vielem mehr. Fortuna möchte helfen! Daher sammeln wir Spenden – vor allem auch in Form von Kleidung und Spielzeug –, die an den Heimspieltagen mitgebracht und bei uns abgegeben werden können …“

Insgesamt hat sich der Kölner Sport bei der Flüchtlings-Problematik als große Solidargemeinschaft gezeigt, was aufgrund sonstiger Eifersüchteleien und Rivalitäten so nicht unbedingt zu erwarten war. „Ich empfinde die Zusammenarbeit zwischen allen als konstruktiv und zielorientiert, das hat mich schon ein wenig überrascht“, sagt Amtsleiter Dieter Sanden. Und zieht als Fazit: „Schnell helfen statt lange diskutierten, das ist ein hoher Wert – und zeichnet den Sport auch aus.“

Frank Schwantes

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