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FC: Ratswahl und Hoodie-Hysterie

In einem mehr als siebenstündigen Marathon hat der 1. FC Köln am Mittwochabend in der Lanxess Arena seine diesjährige Mitgliederversammlung abgehalten. Im Mittelpunkt standen die Wahl des Mitgliederrates, verschiedene Satzungsänderungsanträge – und ein Hoodie.
MV

Volles Haus: Bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Köln kamen am Mittwochabend weit über 6000 Vereinsmitglieder. (Foto: imago/Eduard Bopp)

Im Innenraum erklingen Kölsche Tön, Menschen mit rot-weißen Schals stehen an der Bierbude an, Fachsimpeln über die neuerliche Heimniederlage gegen Aufsteiger Duisburg. Fast wie im Stadion ging es gestern in der Lanxess Arena zu. Die FC-Mitglieder hatten sich dort ab 16.30 Uhr eingefunden, über 6300 Teilnehmer wurden registriert. Kein Wunder, schließlich war es bereits im Vorfeld der MV hoch her gegangen. Der Abend in der Zusammenfassung.

Die Wahl des Mitgliederrates

Der mit der meisten Spannung erwartete Punkt der Tagesordnung war die Wahl des neuen Mitgliederrates, 41 Bewerber kämpften um 15 Plätze. Ein bunter Strauß an Mitgliedern stellte sich vor versammelter Halle jeweils zwei Minuten vor, Überschreitungen wurden mit dem Hennes-Meckern geahndet, wie es im Stadion ertönt, wenn anderorts Tore fallen. Hennes musste jedoch lediglich bei drei Kandidaten, unter anderem Stadionsprecher Michael Trippel, wirklich eingreifen. Während einige Mitgliederrats-Aspiranten mit reißerischen Aussagen Stimmung machten („Lasst uns in diesem Gremium ein paar Zöpfe abschneiden“, (in Anspielung an Stefan Müller-Römer, d. Red.)), versprachen andere, sich noch stärker für Kommunikation mit Vorstand und Mitgliedern, Jugendarbeit und Verbesserung der Infrastruktur einzusetzen. Zum Thema Ultras, Regresse und Stadionverbote gab es differenzierte Meinungen, jede Aussage wurde vom Publikum mit Buh-Rufen oder Klatschen bedacht. Am Ende schafften es 12 Mitglieder in den Rat, da nur sie die erforderliche Anzahl von 50% Ja-Stimmen erhielten.

Die Auserwählten: Ho-Yeon Kim, Christian Hoheisel, Carsten Wettich, Walther Boecker, Josef Derkum, Stefan Müller-Römer, Fabian Schwab, Michael Trippel, Engelbert Faßbender, Nicole Bender, Fritz Guckuk und Frank Leifer.

Die Anträge

Drei Anträge zur Satzungsänderung standen im Vorfeld auf der Agenda, nachdem ein umstrittener Antrag im Vorfeld bereits zurückgezogen wurde. So plädierte der Vorstand unter anderem darauf, den Termin seiner Nominierung durch den Mitgliederrat um drei Monate auf den 31. Mai vorzuziehen. Dieser Vorschlag stieß vor allem beim Mitgliederrat auf große Ablehnung. Die Zeit würde nicht ausreichen, um ein entsprechendes Urteil zu fällen, sagte beispielsweise Dr. Carsten Wettich, Stellvertretender Vorsitzender des Mitgliederrates. Und ein Mitglied sprach aus, was wohl viele im Saal dachten: „Das klingt für mich, als würde es für den Vorstand eng, und dem versuche man nun mit dieser Kampfkandidatur entegenzuwirken.“ Die Mitglieder gaben ihm Recht, der Vorschlag des Vorstands fand die benötigte Zwei/Drittel-Mehrheit nicht und wurde abgelehnt. Auch ein Antrag, der verbieten soll, dass beim 1. FC Köln geringfügig beschäftigte Personen für den Mitgliederrat kandidieren, wurde abgelehnt, im Vorfeld ging dieser Vorschlag vor allem als „Anti-Trippel-Antrag“ durch die Medien. Änderungsantrag drei wollte die Vergabe von Gratis-Geschenken im Rahmen von Vereinsveranstaltungen wie der Mitgliederversammlung verbieten, auch er wurde abgelehnt.

Die Entlastungen

Einer der kürzeren Tagespunkte auf der Agenda, sowohl Vorstand als auch Mitgliederrat wurden komplett entlastet. Keine Überraschung.

Weitere Verkündungen

Vor allem Alexander Wehrle gab erfreuliche Statements ab, abgesehen von der nach wie vor hervorragenden Wirtschafts- und Sponsorenlage verkündete er ebenfalls, dass es wohl nächstes Jahr endgültig mit dem Ausbau des Geißbockheimes losgehen soll. Großer Beifall brandete auf. Zudem wolle man definitiv in Müngersdorf bleiben. Die erwartete Verkündung der Vertragsverlängerung mit Jorge Meré blieb allerdings aus.

Die streitbaren Personen

Von Beginn der Veranstaltung an schien die Fan-Gemeinde in der Deutzer Arena in zwei Lager gespalten: Jeder, der es mit dem Vorstand hielt, applaudierte diesem kräftig und überschwänglich, während sich vor allem Stefan Müller-Römer immer wieder auch Buh-Rufe gefallen lassen musste. Auch umgekehrt war das der Fall, diejenigen, die Stefan Müller-Römers Ausführungen folgten, pfiffen immer wieder den Vorstand, insbesondere Präsident Werner Spinner und Vize Toni Schumacher aus. Nur schwarz/weiß, kein grau. Die zweite Gruppe war zwar deutlich in der Unterzahl, tat aber durch lautstarkes Reinrufen immer wieder ihre Meinung Kund und wurde fast im Minutentakt vom Vorstandsbeauftragten Thomas Schönig ermahnt. Wirklich überzeugen von ihren Argumenten konnte die eine Seite die andere jedoch nicht, leider wurden immer wieder Vorwürfe erhoben und erwidert, von denen aus dann schnell zum nächsten Tagesordnungspunkt gesprungen wurde. So bleibt das Gefühl, es seien schon alle relevanten Probleme auf den Tisch gekommen, einzig echte Lösungen fehlten.

Der geduldigste Mann im Saal

Thomas Schönig war dafür zuständig, dass alles möglichst gesittet und friedlich zugeht – ein undankbarer Job, wenngleich man auch sagen muss, dass sich die „Ausschreitungen“ fast ausschließlich auf Zwischenrufe und nichts Schlimmeres bezogen. Dies erledigte er immer wieder mit Nachdruck, was die Störer jedoch, so wie es halt ist, nur weiter anstachelte. Ebenfalls Ausdauer bewies er beim Vorlesen der Wahlergebnisse, dies dauerte insgesamt fast 20 Minuten.

Das Unwort des Abends

Hoodie. Ohne Zweifel. Es ist fast schon grotesk, wie viel Platz ein Gratis-Pullover in der Mitgliederversammlung eines mittlerweile 105.000-Mitglieder-starken Traditionsclubs einer Millionenstadt einnimmt. Ob durch „Hoodie, Hoodie“-Rufe aus dem Publikum, die rednerunabhängig in die Arena geschleudert wurden, den Anti-Geschenke-Antrag oder durch ein extrem engagiertes Mitglied, das während der MV insgesamt drei Mal ans Podium trat, um die sofortige Ausgabe des Pullovers zu verlangen. Schließlich müsse er morgen früh nach Frankfurt und früh raus. Während das viele Mitglieder mit Blick auf die Uhr bereits zum Stöhnen brachte, konnte man darüber noch halbwegs schmunzeln – im Gegensatz zu den Vorfällen gegen 23 Uhr, als anscheinend Mitglieder mit gefälschten Pullovern versuchten, andere Mitglieder aus dem Saal zu locken, um diese an der Stimmabgabe zu hindern. Das ist dann nicht mehr so witzig. Eher unfassbar.

Was bleibt?

Die Erkenntnis, das Streitkultur und Meinungsverschiedenheiten zu einem Fußballverein in der Größenordnung des 1. FC Köln einfach dazugehören, sie jedoch respektvoll und offen angehört werden müssen. Dass die Mitglieder durchaus gespalten sind in vielen Punkten, und erst wieder vereint werden müssen. Dafür soll sich der Mitgliederrat nun einsetzen. Was im kommenden Jahr mit dem Vorstand passiert, ist noch völlig offen. Die Mitgliederversammlung 2018 hat viele Fragen in den Raum gestellt, die relevant und interessant sind. Antworten hat sie jedoch eher wenige präsentiert.

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