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FC: Fünf Erkenntnisse zum 9. Spieltag

Der 1. FC Köln hat sich am Montagabend im heimischen Stadion blamiert und mit 1:2 gegen den Tabellenletzten MSV Duisburg verloren. Unsere fünf Erkenntnisse der Partie.
Köln MSV

Lasse Sobiech gehörte am Montag zu den besten Kölnern – und konnte die Niederlage dennoch nicht verhindern. (Foto: imago/Eduard Bopp)

1 Trifft Terodde nicht, wird es schwer.

Eine gewisse Abhängigkeit von einem Mittelstürmer ist ja grundlegend nicht verkehrt. Wünscht sich nicht sogar jedes Team so einen Spieler, der so verlässlich trifft, dass man sich gern in eine Abhängigkeit begibt? Das war bei Anthony Modeste so, das ist bei Simon Terodde nicht anders. Nur: Bekommen die Kölner ihren Torgaranten wie am Montagabend nicht ins Spiel eingebunden, wissen vor dem Tor auch die übrigen Profis nicht viel mit dem Ball anzufangen. Kein einziger Spieler strahlte gegen den MSV auch nur einen Hauch der Torgefahr aus, obwohl in dem System des Trainers doch eigentlich die offensive Last auf mehreren Schultern verteilt werden soll. Das klappte überhaupt nicht.

2 Der FC schenkt sich die Tore selbst ein.

Vielleicht waren die „Geißböcke“ zu Beginn etwas verwirrt von den roten Trikots der eigentlich weiß-blauen Zebras, anders sind die unzähligen Fehlpässe, Unkonzentriertheiten und Ballverluste vor allem in Hälfte Eins nicht zu erklären. Völlig ohne Not wurden die Duisburger so immer wieder in den Strafraum der Hausherren eingeladen, besonders gut herausgespielt waren sowohl beide Treffer, als auch die durchaus vorhandenen, gefährlichen Aktionen der Gäste nicht. Ein Problem, dass sich bereits durch die gesamte Saison zieht, es gab bislang noch keinen Gegentreffer, wo man sagen könnte: Ok, das war so gut gespielt, da kamen die Kölner einfach nicht hinterher. Eigentlich immer gingen individuelle Fehler voraus. Und der MSV hat sie bestraft.

3 Benno Schmitz scheint schlecht zu trainieren.

Eigentlich war er als Nummer Eins auf der Rechtsverteidiger-Position geholt worden, nach nunmehr neun Partien hat der ehemalige Leipziger noch keine Spielsekunde gesehen. Zugegeben, er verletzte sich in der Vorbereitung und wurde erst vor einigen Wochen wieder fit. Dass er jedoch auch nach Ausfall von Notfall-Rechtsvertedigier Marcel Risse überhaupt nicht im Kader stand, sagt dann doch einiges aus, zumal Matthias Bader noch immer sichtlich mit Nervosität zu kämpfen hat und mehr durch Unsicherheit auffiel als durch konzentriertes Abwehrverhalten. Schmitz, der den „Roten Bullen“ mangels Spielzeit den Rücken kehrte, mag vielleicht nicht das offensive Potential eines Risse (oder vielleicht auch Bader) einbringen. Er gilt jedoch als einer, der kaum Fehler macht und seine Seite defensiv dicht hält. Klingt gar nicht so schlecht, oder?

4 Nach dem zweiten Rückstand fehlten Ideen.

Was wurde nicht alles über das System von Markus Anfang geschrieben, davon schließen wir uns selbstverständlich nicht aus. Das für jeden Fan auch in diesem komplizierten Spielsystem erkennbare Credo: Alles spielerisch lösen, die gefährlichen Räume besetzen, und vor allem KEINE langen Bälle. Und das wurde derart eingetrichtert, dass man eigentlich nicht für möglich hielt, was nach der erneuten Duisburger Führung durch Bader mit dem FC-Spiel geschah: Sobiech vorne rein – und dann der unterschnittene Ball in den Strafraum, von der Mittellinie aus getreten. Mal von Höger, mal von Czichos, mal von Timo Horn. Zehn Minuten lang. Ertrag? Gleich Null, ebenso wie bei 13 (!) Eckbällen und zahlreichen Flanken, die entweder viel zu flach kamen oder über das Stadiondach gingen. Es schien keine Ideen zu geben, die massiven Duisburger nochmal ins Wackeln zu bringen, stattdessen wurden die Grundsätze ein Stück weit über Bord geworfen und mit der Brechstange hantiert. So, wie Markus Anfang es genau nicht haben möchte.

5 Mit Gästefans macht es im Stadion mehr Spaß.

Bei einer Heimniederlage von Spaß zu sprechen, naja. Aber: Die Stimmung im Stadion ist doch deutlich besser, wenn nicht wie vergangene Woche 20 kühne Ingolstädter im Gästeblock stehen, sondern auch der Oberrang in den Farben des Gästeteams leuchtet. Die Duisburger machten 90 Minuten lang auch auf den Rängen richtig Radau, und als FC-Fan kennt man dieses überragende Gefühl, vor dem Spiel praktisch völlig chancenlos zu sein, dann die Überraschung zu schaffen und anschließend mit den mitgereisten Fans zu feiern. Mittendrin ein überwältigter Thorsten Lieberknecht, dessen Premiere nicht perfekter hätte laufen können und der am Ende sichtlich verwirrt war, was denn in den 90 Minuten zuvor passiert sei – so richtig glauben konnte er es nicht. Es war der erste Saisonsieg für den Tabellenletzten, dessen Spieler mit großem Herzblut zu Werke gingen und von der Tribüne aus hervorragend unterstützt wurden. Da der FC sich nicht einen Punkt verdiente an diesem Abend, kann man deshalb auch einfach mal sagen: Glückwunsch, MSV!

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