Köln.Sport

FC: Fünf Erkenntnisse zum 3. Spieltag

Der 1. FC Köln hat den ersten Saisonsieg eingefahren und in Freiburg mit 2:1 gewonnen. Die Köln.Sport-Erkenntnisse zur Partie.
Modeste Skhiri

Die Matchwinner im Breisgau: Ellyes Skhiri und Anthony Modeste. (Foto: imago images/eu-images)

1 Der Trainer lebt den Glauben vor.

Als Achim Beierlorzer nach Abpfiff auf der Pressekonferenz zum Spiel erschien, saßen nicht nur seine Spieler erschöpft in der Kabine – auch Beierlorzer wirkte, trotz der ihm deutlich anzumerkenden Freude über den ersten Dreier als Bundesliga-Coach, völlig verausgabt. In dunkelblauem, nach der Partie von Schweiß durchtränktem Hemd stand der Kölner Übungsleiter an der Seitenlinie, gab Anweisungen durch und die Marschrichtung vor. So erzählt er von seiner Ansprache in der Halbzeitpause: „Die Jungs waren schon etwas niedergeschlagen aufgrund der ersten Halbzeit. Da habe ich zu Ihnen gesagt: Davon lassen wir uns nicht vom Weg abbringen, jetzt erst Recht!“ Während so einen Spruch wohl jeder Trainer von Kreis- bis Bundesliga im Repertoire hat, nimmt man ihn Achim Beierlorzer wirklich ab. Weil er die Intensität, mit der er sein Team spielen sehen will, selbst extrem glaubwürdig vorlebt. Da fällt es leichter, ihm zu folgen.

2 Der Videobeweis macht auch 2019/20 wieder Kopfschmerzen.

Erster Spieltag, Wolfsburg: Dominick Drexler wird im Strafraum gelegt, ein Elfmeter wäre, hätte sich der Schiedsrichter die Szene selbst angeschaut, gerechtfertigt gewesen. Tat er aber nicht. In Wolfsburg ging der Mann mit der Pfeife nach Dominick Drexlers Foul vorm vermeintlichen Kölner 1:0 zum Bildschirm an der Seitenlinie, schaute sich das Geschehen im Replay an und entschied auf Freistoß für Freiburg, nicht auf Tor für Köln. Während die Entscheidung, das Tor nicht zu geben, aufgrund des Kontakts korrekt war (auch wenn Drexler sich nach dem Spiel beschwerte), bleibt schleierhaft, warum der Schiedsrichter die Szene in Wolfsburg nicht noch einmal selbst genauer unter die Lupe nahm. Der Videobeweis sollte das Spiel gerechter machen, klar. Wenn es aber keine einheitliche Regelung gibt, wann ein Schiedsrichter nach Ansicht der TV-Bilder selbst entscheidet, bewirkt er genau das Gegenteil. Und wird Fußballfans, nicht nur in Köln, sondern in der gesamten Republik, noch das ein oder andere Mal in dieser Spielzeit Kopfschmerzen bereiten.

3 Tony kanns noch.

Während nach dem Spiel alle über Matchwinner Ellyes Skhiri (ein Tor, eine Vorlage) sprachen, sorgte auch ein anderer Kölner für eine erfreuliche Erkenntnis: Tony Modeste kanns noch in der Bundesliga! Nicht, dass ihm die FC-Fans nach zwei durchwachsenen Spielen immer noch ihr uneingeschränktes Vertrauen geschenkt hätten, hätte Modeste nicht auch in Freiburg getroffen – dass er es nun getan hat, ist nicht nur gut für den Franzosen selbst, sondern für den FC insgesamt. Das Tor war zudem eine typische Modeste-Aktion: Nicht so richtig im Spiel, hier und da auch etwas unglücklich, in einem entscheidenden Moment dann aber mit seiner noch immer unfassbaren Abschlussqualität genau da, wo er sein musste. Der Kopfball an sich war ebenfalls eine absolute Sahne-Aktion. Mal sehen, wann der ihm gewidmete Song die nächste Strophe hinzugedichtet bekommt.

4 Die FC-Profis sind topfit.

Gegen Dortmund bekam der Zuschauer bereits nach wenigen Minuten in Hälfte zwei den Eindruck, dass der Effzeh das unfassbare Tempo aus Hälfte eins nicht über 90 Minuten gehen kann. In Freiburg, bei nochmal zehn Grad mehr und praller Sonne, hatte man diese Befürchtung ebenfalls – wahrscheinlich waren es jedoch der Treffer von Modeste und die Aussicht, erstmals seit 23 Jahren im Schwarzwald zu gewinnen, die die Akkus der FC-Profis nochmal aufladen konnten. Denn anders ist die hingebungsvolle Leistung mitsamt 50-Meter-Sprint von Ellyes Skhiri kurz vor Schluss nicht zu erklären. Auch der zwischenzeitliche Pechvogel Rafael Czichos erklärte nach dem Spiel: „Wir sind topfit und können so ein Tempo auch über einen langen Zeitraum gehen“. Beierlorzer und sein Team haben die Geißböcke fit bekommen wie lange nicht mehr – mental, aber auch physisch.

5 Mit gutem Gefühl in die Länderspielpause.

Hätte der Ausflug in Freiburg punktlos geendet, es wäre von den Vereinspersonen wohl nicht als allzu schlimm bewertet worden, mit null Punkten in die Länderspielpause zu gehen. Nun, wo die ersten drei Zähler allerdings auf dem Konto stehen, konnten auch der Trainer und die Profis die Wichtigkeit des Dreiers nicht wegdiskutieren. „Es war extrem wichtig, mit so einem Erlebnis in die Spielpause zu gehen“, gab Beierlorzer nach dem Spiel zu Protokoll. Noch wichtiger als die Punkte ist aber die Erkenntnis, dass sich diese Mannschaft vor keinem Gegner verstecken muss – ob dieser Dortmund, Freiburg oder in zwei Wochen zum heiß erwarteten Derby Gladbach heißt.

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