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FC: Fünf Erkenntnisse zum 29. Spieltag

Der 1. FC Köln hat gegen den Hamburger SV am Montagabend einen glücklichen Punkt geholt und 1:1 gespielt. Unsere fünf Erkenntnisse zur Partie.
FC HSV

Auch Anthony Modeste konnte das Spiel nach dem Ausgleich nicht mehr in Kölner Richtung drehen. (Foto: imago images/Eduard Bopp)

1 Der Punkt war glücklich.

Es war alles angerichtet am Montagabend in Müngersdorf für eine vorzeitige Aufstiegsparty des 1. FC Köln. Zu Gast der große HSV, der jedoch aufgrund von Verletzungen, Sperren und Suspendierungen gefühlt mit fünf Verteidigern und sieben Mittelfeldspielern + Torwart anreiste. In den ersten 30 Minuten hatte der FC das Spiel fest im Griff, erzielte folgerichtig das 1:0 und brachte das Stadion in Müngersdorf zum Beben wie vielleicht in der gesamten Saison noch nicht. Dann jedoch ereignete sich Unerklärliches – der FC stellte komplett den Spielbetrieb ein, Jhon Córdoba als offensivste Kraft postierte sich rund 30 Meter vor dem eigenen Tor. So machte der FC den HSV unnötig stark und kassierte – es dämmerte jedem, wirklich jedem im Stadion – kurz vor Schluss das logische 1:1. Und wenn man über zwei Drittel des Spiels die schlechtere Mannschaft ist, muss man im Endeffekt mit einem Punkt zufrieden sein – es hätte auch komplett in die Hose gehen können.

2 Ein zusätzlicher Innenverteidiger garantiert keine Stabilität.

Es ist von der Tribüne aus immer leicht, sich in den Trainer hineinzuversetzen. Zu wissen, was er tun bzw. wie er das Spiel beeinflussen sollte. Es ist der vielleicht schwerste Job im Profifußball, sein Team Woche für Woche taktisch und mental perfekt auf den Gegner einzustellen. Doch für die Entscheidung Markus Anfangs nach 70 Minuten konnte leider wirklich niemand Verständnis aufbringen – im Prinzip nicht mal Anfang selbst, der die Einwechslung von Lasse Sobiech damit begründete, es sei von den Spielern so gewünscht gewesen – wirkliche Überzeugung beim Trainer sieht anders aus. Stattdessen verlagerte der Wechsel das Spiel, in dem eine Mannschaft sich über 40 Minuten lang zu elft vor das eigene Tor gestellt hatte, noch weiter nach hinten, statt in Form von Louis Schaub oder Anthony Modeste für Entlastung bzw. in Form von Vincent Koziello für Ballkontrolle zu sorgen. Hinzugenommen Marcel Risse, der leider, wirklich leider, nur noch wie ein verunsicherter Schatten seiner selbst agiert und wirklich keine einzige glückliche Aktion vorweisen konnte. Man wünscht dem Kalker so sehr, er würde sein Selbstvertrauen zurück erlangen. In dieser Form, so hart es klingt, ist er für den FC leider keine Hilfe.

3 Der Schiedsrichter hat keine Schuld.

Der Ärger war groß über die Leistung von Schiedsrichter Robert Hartmann. Eine klare gelb-rote Karte für Gideon Jung nach taktischem Foul in der 62. Minute war gefordert worden, ebenso ein Elfmeter nach vermeintlichem Halten von Rick van Drongelen an Anthony Modeste. Beides Entscheidungen, die durchaus so hätten fallen können – dass sie das nicht taten jedoch als Argument für die Punkteteilung heranzuziehen, ist schlicht peinlich, ebenso wie die Aussage, man habe eine Englische Woche hinter sich. Seit Saisonbeginn wird mantraartig wiederholt, wie ausgeglichen der Kader ist, dass jeder die Berechtigung habe, zu spielen. Dennoch setzte Anfang auf die exakt selbe Elf, die vor fünf Tagen – eine wirkliche, Englische Woche sieht ohnehin anders aus – in Duisburg auflief. Die groteske Passivität dann auf Schiedsrichterentscheidungen oder Müdigkeit zu schieben, ist einfach nur schade.

4 Der beste Defensivmann war ein Stürmer.

Während sich die gesamte Mannschaft nach etwa 30 Minuten kollektiv im Verteidigen übte, stach einer besonders heraus: Jhon Córdoba, der, als er sich noch in der gegnerischen Hälfte postieren durfte, machte ein erneut überragendes Spiel. Körperlich ist ohnehin gegen ihn kein Kraut gewachsen, gestern erlief er zudem noch ein ums andere Mal Querpässe an der Mittellinie und schmiss sich in alles Blaue, was an ihm vorbeilief. Offensiv mittlerweile auch über jeden Zweifel erhaben, kann man feststellen: Jhon Córdoba ist nicht nur der beste Stürmer des 1. FC Köln. Er ist der beste Stürmer der gesamten 2. Bundesliga.

5 Die Ausgangslage ist immer noch top.

Nein, überraschenderweise ist der Effzeh noch nicht von den Aufstiegsrängen gerutscht, so wie es Rafael Czichos bei den Pfiffen nach dem Spiel vorkam. Die Ausgangslage ist immer noch ideal, der Aufstieg dürfte bei einem Sieg in Dresden im Heimspiel gegen Darmstadt festgemacht werden. Das ändert jedoch an der Beurteilung der gestrigen Leistung nichts – und sollte es auch nicht. Der FC wird aufsteigen, so viel ist sicher. Was jedoch nicht heißt, dass alles auf dem Weg dorthin sorglos registriert werden muss.

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