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FC: Churlinov sollte sich in Geduld üben

Nach seinem Profidebüt am ersten Spieltag der Saison, will der FC sein Talent Darko Churlinov nun auch langfristig an sich binden. Doch bei der zukünftigen Rolle des Spielers gehen die Meinungen auseinander. Der Köln.Sport-Kommentar
Darko Churlinov

Darko Churlinov muss seine 1. Liga-Tauglichkeit erst noch unter Beweis stellen
(Foto: imago images / foto2press)

18 Tore und 5 Vorlagen in 23 Spielen in der U19-Bundesliga: Ohne Zweifel ist das eine starke Quote. Nicht umsonst berief Cheftrainer Achim Beierlorzer den 19-jährigen Darko Churlinov in den Kader der 1. Mannschaft. Und nicht ohne Grund will der FC den Nordmazedonier mit einem langfristigen Profivertrag an sich binden. Denn nicht wieder will man ein Top-Talent verlieren, wie es bei Nikolas Nartey der Fall war.

Step-by-Step

Mit 16 Jahren Nationalspieler. Mit 18 Jahren U19-Bundesliga-Torjäger. Mit 19 Jahren Berufung in die erste Mannschaft. Am ersten Spieltag gleich das Profi-Debüt gegeben und nun einen unterschriftsreifen Profivertrag vorliegen. Während andere 19-Jährige sich erstmal kneifen müssten, um sicher zu gehen, dass das alles nicht nur ein Traum ist, will Darko Churlinov mehr.

Die FC-Verantwortlichen haben einen Plan mit ihrem Top-Talent: Sie möchten ihn gerne behutsam aufbauen. Zunächst soll er Spielpraxis in der Regionalliga sammeln und parallel dazu langsam ans Profigeschäft herangeführt werden. Eigentlich eine lobenswerte Vorgehensweise, in einer Zeit, in der Talente verheizt werden und jeder 18-Jährige, der drei gerade Pässe hintereinander spielen kann, für hohe Millionenbeträge den Verein wechselt. Churlinov und seinem Umfeld geht das allerdings zu langsam. Nachdem er bisher immer nur Vollgas in seiner Karriere gegeben hat, ist er nun nicht bereit auf die Bremse zu treten. Er möchte bei den Profis spielen und nicht sein Talent bei der U21 vergeuden.

Hinten anstellen

Dabei hätten andere Spieler der Kölner eher Grund, unzufrieden zu sein als er. Achim Beierlorzer hat nämlich momentan jedes Wochenende schwierige Entscheidungen zu treffen, wie auch der Fall Terodde zeigt. Während er letzte Saison noch mit 29 Treffern die 2. Liga zerschossen hat, kam er in dieser Saison bisher auf 76 Einsatzminuten und stand genau null mal in der Startelf – obwohl er fit ist. Und auch Spieler wie Cordoba, Modeste, Kainz, Drexler, Clemens, Risse und Schaub stehen nicht nur auf den Platz, damit der FC elf Spieler auf dem Platz zusammen bekommt. Besonders Churnilovs direkter Konkurrent auf dem linken Flügel, Dominick Drexler, hat sich in der Aufstiegssaison mehr als verdient gemacht und ist heiß auf seine erste 1. Liga-Saison. Da heißt es für einen 19-Jährigen ohne Profierfahrung erst einmal hinten anstellen und sich durch Trainingsleistungen aufzudrängen, sei man auch noch so talentiert.

Die Kölner-Verantwortlichen machten längst unmissverständlich klar, was sie von Churlinovs Allüren halten. So sagte Sportchef Armin Veh dazu: „Ein paar Ansichten von Darko und seinem Umfeld passen uns nicht. Wir haben eine klare Linie, von der rücken wir auch nicht ab.“ Und auch Beierlorzer sprach Klartext: „Es kann uns kein 19-Jähriger diktieren, wo wer zu spielen und zu trainieren hat – das geht nicht. Wenn man sieht, wie wir uns um Darko bemühen, schon gar nicht.“

Nur als Team stark

Der FC tut gut daran, eine klare Linie in dem Fall zu fahren, um seine eigenen Saisonziele nicht zu gefährden. Auch wenn der Kader der Kölner durchaus über individuelle Klasse verfügt, zeigte die bisherige Saison, dass das nicht ausreicht, um die Klasse zu halten. Gute Spieler haben nämlich die meisten Bundesliga-Teams. Entscheidend wird die Mentalität und der Teamzusammenhalt sein und da ist der FC momentan stark, wie selbst Top-Clubs wie Borussia Dortmund zu spüren bekamen. Da kann man Spieler, die bereits am dritten Spieltag ausscheren und das Teamgefüge durcheinander bringen, nicht gebrauchen – Talent hin oder her.

Churlinov hingegen würde ein wenig Geduld und Demut gut tun. Keiner zweifelt an seinem Talent. Wenn er dann auch noch regelmäßig Leistungen bringt, wie beim 4:2 der Kölner U21 gegen Alemannia Aachen, wo er mit zwei Toren glänzte, wird er dort auch nicht lange spielen. Mit seinem Einsatz am ersten Spieltag zeigte Beierlorzer ja bereits, dass er große Stücke auf den Jungspieler hält. Klar ist aber auch: Beweise, dass Talent alleine nicht ausreicht und das ein zu ehrgeiziges Umfeld gerade Jungspielern schaden kann, gibt es genug. Bestes Beispiel: Sinan Kurt. Einst eins der vielversprechendsten Talente Deutschlands, landete er zwischenzeitlich in der zweiten österreichischen Liga.

Fußballerisch bringt Churlinov alles mit, um sich durchzusetzen. Nun muss er beweisen, dass er auch den entsprechenden Charakter hat. Das geht am besten mit guten Trainings- und Spielleistungen, notfalls eben in der U21. Es wäre ihm und dem FC zu wünschen, dass er dies schnell erkennt. Denn am Ende können so beiden Seiten profitieren.

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