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FC: Baustelle Geißbockheim

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Einst Schmuckstück, nun Sanierungsfall: das Geißbockheim, die Heimat des 1. FC Köln Foto: pa/Rolf Vennenbernd

Einst Schmuckstück, nun Sanierungsfall: das Geißbockheim, die Heimat des 1. FC Köln
Foto: pa/Rolf Vennenbernd

Kaputter Rasen, marode Kabinen, kaum Parkplätze: Am Geißbockheim muss sich dringend etwas tun. Doch im Grüngürtel ist das nicht einfach. Köln.Sport hat sich umgehört, was für den FC machbar wäre.

Jörg Schmadtkes Ansage war launig, aber deutlich. Auf der Mitgliederversammlung sprach der Sportgeschäftsführer des 1. FC Köln zu den Fans und machte klar, dass er mit den Zuständen rund um das Geißbockheim alles andere als zufrieden ist. „Wenn ich mit einem Toptalent hier durchgehe, spürt er gleich die Tradition. Wenn ich aber mit ihm in die Dusche gehe, steht da noch das Shampoo von Hennes Weisweiler“, schilderte der FC-Macher und sorgte damit für einiges Schmunzeln in der Lanxess-Arena.

Sein Fazit kam gleich hinterher: „Ich mag das Geißbockheim, aber der Klub hat vielleicht zu lange an seiner Tradition festgehalten.“ Die Notwendigkeit einer Erweiterung im Grüngürtel skizziert Schmadtke in aller Klarheit: „Wir brauchen mehr Spielfelder, mehr Räume, die chaotische Parkplatzsituation muss gelöst werden.“

Einst galt das Geißbockheim als Schmuckstück der Liga, als Vorzeigeobjekt. Kein Verein hatte ein solch modernes Vereinszentrum wie der 1. FC Köln. Diese Zeiten sind vorbei: Das Franz-Kremer-Stadion hat seine besten Tage längst gesehen, die Kabinen im Geißbockheim müssen dringend saniert werden, und die Trainingsplätze im Grüngürtel sind ein stetes Ärgernis. Probleme sind auf jedem der verfügbaren Plätze an der Tagesordnung, selbst der neuverlegte Rasen wächst nicht tief genug an und sorgt für ein hohes Verletzungsrisiko.

Bürogebäude sorgte für Wirbel

„Bei uns kommt hinzu, dass hier in der Vergangenheit nur gepfuscht wurde. Manchmal ist es zum Heulen“, klagte Chef-Greenkeeper Roel Bassler dem „Express“ sein Leid. Zum Heulen ist der Zustand der Plätze auch für die sportliche Leitung: Simon Zollers Muskelfaserriss im Training ist beispielsweise eine Folge des schlechten Rasens. Allen Verantwortlichen ist klar: „Hier muss etwas passieren!“

Das könnte allerdings problematisch werden: Das Geißbockheim inklusive Umfeld liegt im Grüngürtel, bauliche Veränderungen sind im Landschaftschutzgebiet schwer durchführbar. Schon 2007 sorgte die Erweiterung des ­Bürogebäudes für einigen Wirbel: Die Bezirksvertretung Lindenthal, der Umweltausschuss der Stadt Köln sowie zahlreiche Natur- und Denkmalschützer opponierten gegen die Pläne des Vereins, die letztlich aber umgesetzt werden konnten.

Diesmal baut der FC vor: Nach Köln.Sport-Informationen haben die Verantwortlichen in etlichen Sondierungsgesprächen mit den zuständigen Ämtern der Stadt die Möglichkeiten ausgelotet, den Erfordernissen gerecht zu werden. Nun ist der FC damit beschäftigt, die Informationen zu sichten und daraus einen umsetzbaren Plan zu entwerfen. Erst dann wird der FC wieder mit der Stadt darüber sprechen, ob die eigenen Vorstellungen zu verwirklichen sind.

Pläne noch nicht konkret

Wie das genau aussehen wird, darüber hüllen sich alle Verantwortlichen noch in Schweigen. Keiner will sich zuerst aus der Deckung wagen, solange noch keine vollends konkreten Pläne auf dem Tisch liegen. „Es gibt noch keine Pläne, die uns zur Genehmigung oder zur Beratung vorgelegt worden sind. Es gibt lediglich eine Absichtserklärung, dass der 1. FC Köln sich mit seinem Vereins- und Trainingsgelände in diesem recht komplexen Umfeld des Landschaftsschutzes bewegen will, dies unter Berücksichtigung der dort gegebenen Bedingungen“, erklärt Anne Luise Müller, Leiterin des Kölner Planungsamtes, auf Köln.Sport-Anfrage.

Eine Idee, welche Erweiterungen möglich wären, gibt „Grüngürtel Impuls Köln“, ein sogenanntes Planwerk der Kölner Grün-Stiftung. „Daran könnte sich der Verein orientieren und sehen, wo überhaupt Entwicklungspotenziale mit sehr geringen Eingriffen bestehen“, so Müller. Das umfassende Konzept für den Äußeren Grüngürtel wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln, verschiedenen Landschafts- und Städteplanern, Politik und Verwaltung sowie Kölner Bürgern erarbeitet und sieht auch Eingriffe in die Umgebung des Geißbockheims vor.

Bereits jetzt liegen die Plätze im „Sportband“ – einem „schmalen, von Gehölzen gesäumten Band offener Räume, in denen die Sportflächen liegen“, wie es das Konzept ausdrückt. Nur dort seien neue Sportflächen verträglich unterzubringen. Zwei Rasenflächen westlich des Geißbockheims werden als mögliche Alternativen für neue Trainingsplätze aufgezeigt. Auch um die Parkplatzsituation wird sich Gedanken gemacht: Die Franz-Kremer-Allee solle nur noch für Mitarbeiter, Spieler und Besucher des Vereins befahrbar sein. Die Grüngürtelnutzer sollen auf die weiteren Parkplätze im Umkreis umgeleitet werden, die im Zuge der Neuordnung des Geißbockheim-Umfelds eine Aufwertung erfahren sollen.

Kritiker auf den Plan gerufen

Das Fazit laut „Grüngürtel Impuls Köln“: Von den Ordnungs- und Gestaltungsmaßnahmen profitiere nicht nur der 1. FC Köln, sondern auch die Nutzer und Besucher des Grüngürtels. Auch Gedankenspiele über diese Ideen hinaus sind in der Diskussion. Bereits jetzt nutzt der FC in den Sommermonaten Grünflächen an der Berrenrather Straße, um hohem Andrang Herr zu werden. Den Parkplatz dorthin auszulagern und auf der jetzigen Fläche ein neues Gebäude für die Jugend zu errichten, könnte ein mögliches Szenario sein.

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