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„Es ist mein Ziel, den Adler wieder auf der Brust zu tragen“

Timo Horn ist nicht nur absoluter Leistungsträger beim 1. FC Köln, er verkörpert den Verein wie kein zweiter Aktiver. Im Interview definiert er seine Ziele und gibt Einblick in sein Seelenleben.
Timo Horn

Timo Horn absolvierte bereits 206 Pflichtspiele für den 1. FC Köln. Hölt er dem Effzeh die Treue, könnte er einst Rekordspieler bei den Geißböcken werden (Foto: imago/DeFodi)

Als der 1. FC Köln nach dem fünften Abstieg der Vereinsgeschichte im Sommer 2012 die Entscheidung traf, den damals gerade 19 Jahre alt gewordenen Timo Horn zur neuen Nummer 1 zu ernennen, rieben sich nicht wenige die Augen. Sechs Jahre später allerdings ist Horn auf dem besten Wege, sich in die Reihe der großen FC-Torhüter Toni Schumacher und Bodo Illgner nahtlos einzureihen. Der gebürtige Kölner ist deutschlandweit einer der besten seiner Zunft und beim Effzeh eine absolute Identifikationsfigur. Im Interview mit „Amazon Music“ spricht er nun so ausführlich wie selten über seine persönlichen Ziele, den neuen Coach und die einmalige Aufbruchsstimmung in Köln.

Timo Horn über…

…die mittlerweile auch gestiegenen Ablösesummen auf der Torhüterposition:

„Vor zehn Jahren wäre es undenkbar gewesen, für einen Torwart 80 Millionen Euro zu zahlen. Das ist sicher dem Fakt geschuldet, dass immer mehr Geld in den Fußball strömt. Teilweise gehen wahnsinnige Summen über den Tisch. Auf der anderen Seite sind die Torhüter inzwischen besser geschult. Ein Torwart heute muss viel mehr Dinge können als noch vor einigen Jahren, sodass die Wertschätzung für die Position gestiegen ist – in meinen Augen völlig zurecht. Ein Torwart, der den Vorderleuten Sicherheit vermittelt, ist Gold wert. Dann kann das Team ganz anders auftreten, da es weiß, dass da einer im Tor steht, der vielleicht auch mal einen unhaltbaren Ball rausfischt.“

… seine Entscheidung, in Köln zu bleiben:

„Der Verein lebt für uns Spieler ein besonderes Gefühl vor. Es wäre mir schwergefallen, den FC zu verlassen, da ich den Verein wie ein zweites Zuhause sehe. Sicher wäre es möglich gewesen, irgendwo anders international zu spielen, aber bei dieser Entscheidung spielt für mich nicht nur die sportliche Perspektive eine Rolle. An erster Stelle kommt für mich der Wohlfühlcharakter. Nur dann kann ich Bestleistungen abrufen. Es gibt genug Beispiele von Spielern, die sich rein sportlich entschieden haben, aber nie mehr so richtig auf die Beine gekommen sind.“

… seine kurz- und langfristigen Ziele:

„Es gibt viele Dinge, die ich nicht beeinflussen kann. Trotzdem ist es wichtig, Ziele zu haben, die ich mit aller Macht verfolge. Kurzfristig möchte ich mich beim FC trotz 2. Liga weiter verbessern und persönlich einen wichtigen Teil dazu beitragen, den FC wieder in die Bundesliga zu führen. Individuell arbeite ich gerade an meinem schwächeren rechten Fuß und an meiner Explosivität. Das ist etwas, das vor allem Manuel Neuer in den letzten Jahren ausgezeichnet hat. Langfristig ist es mein Ziel, den Aufstieg vorausgesetzt, perspektivisch wieder in den Kreis der Nationalmannschaft zu rücken. Es ist mein großes Ziel, den Adler wieder auf der Brust zu tragen, und das verwerfe ich nicht wegen eines Abstiegs. Auf lange Sicht sehe ich nach wie vor meine Chancen.“

… die Spielweise des FC unter dem neuen Trainer Markus Anfang:

„Unser Spiel von hinten heraus hat sich unter Markus Anfang grundlegend verändert. Als Torwart bin ich viel häufiger in den Spielaufbau eingebunden. Insgesamt spielen wir offensiver und haben uns im Laufe der Vorbereitung verschiedene Lösungen für das Spiel nach vorne erarbeitet. Es ist sicher ein Vorteil, dass der Trainer Kölner ist und weiß, worum es für die ganze Stadt geht. In der Kabine wird es auch mal lauter, wenn es mal nicht so läuft. Das ist genau das, was wir in solchen Phasen brauchen. Es ist gut, dass Dinge klar angesprochen werden, zum Beispiel, wenn etwas falsch läuft. Nur dann kann man es beim nächsten Mal besser machen.“

… das anstehende Spiel gegen Union Berlin:

„Wir wollen auch gegen Union wieder unser Spiel machen und offensiv auftreten. Wir müssen die Spiele gewinnen, denn wir wollen wieder hoch. Deshalb versuchen wir, den Fans im ersten Heimspiel ein schönes Spiel zu liefern.“

… die Aufbruchsstimmung im Umfeld des 1. FC Köln:

„Diese Mobilisierung beeindruckt mich sehr. Den letzten Abstieg habe ich als Nummer 2 erlebt. Damals war es ganz anders als jetzt, da wurde dieses Gefühl nicht so gelebt. Es ist wohl einmalig in Europa, dass man als Verein, der gerade sang- und klanglos abgestiegen ist, so zusammensteht. Vor allem mit den Fans dahinter. Das habe ich so noch nicht erlebt und ich bin sicher, dass das ein entscheidender Faktor war, weshalb viele Jungs hier geblieben sind. Das zeigt, dass unser Weg beim FC noch lange nicht beendet ist. Jetzt müssen wir den FC wieder zurück in die Bundesliga führen.“

… seinen aktuellen Lieblingssong:

„Auch, wenn das jetzt sehr einfach und Mainstream ist, weil den aktuell jeder hört: In My Feelings von Drake.“

Das Interview erschien zuerst bei „Amazon Music“

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