Köln.Sport

Erlebnis-Sport der Extraklasse

Quelle: Frank Nolting

81.587 Besucher strömten bislang 2011 auf die Kölner Rennbahn – ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Rennbahn in Weidenpesch boomt wie lange nicht. Köln.Sport sprach mit Eckhard Sauren, dem Präsidenten des Kölner Renn-Vereins, über die Gründe des Erfolges.

Herr Sauren, der Kölner Renn-Verein hat fast ein Drittel mehr Zuschauer als im Vorjahr. Haben die Kölschen ihr Herz für den Galoppsport wiederentdeckt?

Wenn man auf die Galopprennbahn geht, ist es wichtig, dass etwas los ist. Und das bieten wir in Weidenpesch. Letztlich ist die Atmosphäre bei den Rennen ähnlich wichtig wie bei einem Besuch im Fußballstadion, wo die Zuschauer mitfiebern wollen. Wir sind eine fantastische Familienstätte in der freien Natur und veranstalten Erlebnis-Sport der Extraklasse.

Beim Fußball identifizieren sich die Fans mit den Spielern. Wie ist es beim Galopprennen?

Die Rennbahnbesucher indentifizieren sich mit den Pferden, und das wird durch den Abschluss von Wetten gefördert: Wer wettet, ist emotionaler „Mitbesitzer“ eines Pferdes. Anhand des Rennprogramms, das wir den Besuchern kostenlos aushändigen, ist eigentlich jeder in der Lage, eine Wette zu platzieren. Es geht darum, mehr von diesem Sport zu verstehen. Und wenn man die Leute daran aktiv in Form einer Wette beteiligt, hat man die Chance, aus Gelegenheitsbesuchern Stammzuschauer zu machen.

Vielfältiges Event-Angebot

Wie können Sie die Zuschauer sonst noch für den „Event“ Rennbahn begeistern?

Wir fördern das Informationsangebot, indem wir ständig versuchen, es zu erweitern und leicht verständlich zu machen. So haben wir nach den Rennen ein Analyse eingeführt. Dabei erklären Experten, wo die Entscheidung im Rennen gefallen ist. Die Besucher können das im Galopp-TV bzw. auf der Großleinwand mitverfolgen. Das Publikum treibt es dann zum Führring, wo sich der Event-Charakter sehr gut beobachten lässt: Dort findet die Siegerehrung statt, die Pferde werden abgesattelt und neue Starter fürs nächste Rennen vorgeführt.

Welche Aktionen hat der Renn-Verein zuletzt gestartet, um Interesse zu wecken?

Grundsätzlich ist die Rennbahn für alle geeignet, dafür können sich Familien, Kinder, Rentner wie Singles begeistern. Um die Menschen auch hinzubringen, haben wir verschiedene Maßnahmen eingeleitet. So haben wir am ersten Renntag des Jahres eine Einführung in die Welt des Galopprennsports gegeben, indem wir Beileger in den Kölner Tageszeitungen veröffentlicht haben. Neue Besucher hatten zudem freien Eintritt, sofern sie uns ihre Adressdaten hinterlassen haben. Nun können wir die Leute kostenfrei vor den Renntagen mit Informationen, News oder Wettgutscheinen versorgen. Und mit Veranstaltungen wie dem Promi-Renntag spricht man noch mal ein ganz anderes Publikum an.

„Sehr gute Unterstützung seitens der Prominenz“

Auch Promis sind Teil Ihres Rennbahn-Konzeptes. Ist es schwierig, diese dafür zu gewinnen?

Beim Benefiz-Renntag etwa hatten wir eine sehr gute Unterstützung seitens der Prominenz, die sich in den Dienst einer guten Sache gestellt hat. Die Prominenten wurden von uns aktiv in verschiedene Aktionen eingebunden; und wir waren positiv überrascht, für wie viel Freude das bei allen gesorgt hat.

Was kostet ein durchschnittlicher Rennbahnbesuch?

Wir bieten eine Familienkarte für zehn Euro an, einzeln kostet ein Stehplatz sechs, der Parkplatz zwei Euro. Seit kurzem haben wir eine Kooperation mit KölnTicket, wodurch wir Eintritts- und VRS-Fahrkarte kombiniert für sieben Euro anbieten. Verzehren Sie auf der Rennbahn Currywurst mit Pommes, dazu ein Kölsch, kostet das knapp fünf Euro. Der Durchschnittskunde konsumiert zurzeit unter vier Euro, so dass man als Familie mit 20, 25 Euro dabei ist. Das sind schon volkstümliche Preise. Und hat man beim Wetten ein bisschen Glück, kostet das gar nichts.

„Köln ist die wichtigste Bahn, die ganzjährig veranstaltet.“

Am Wochenende konkurrieren Sie mit Veranstaltungen des 1. FC Köln oder der Haie. Ist das ein Problem?

Mit dem FC haben wir meist nur ein, zwei Überschneidungen pro Jahr. Die Zielgruppenüberschneidung schätzte ich auf zehn bis 15 Prozent, bei den Haien ist das noch niedriger. Aber wir arbeiten zusammen: So hatten wir bereits Ende letzter Saison eine Kooperation mit dem FC beim Spiel gegen Schalke, als wir einen Artikel im Stadionmagazin veröffentlicht und darüber hinaus einen Flyer beilegen haben. Im Gegenzug haben wir ein Rennen mit dem „Preis des 1. FC Köln“ ausgezeichnet. Mit den Haien planen wir Ähnliches. Ich glaube, wir können uns vielmehr befruchten, als dass wir uns die Zuschauer wegnehmen.

Welche Bedeutung hat Köln im deutschen Galopprennsport?

Köln ist die wichtigste Bahn, die ganzjährig veranstaltet. Darüber steht nur Baden-Baden als Deutschlands Meeting-Rennbahn Nummer eins. Zudem beherbergt Köln das größte Trainingszentrum mit über 400 Pferden, hier arbeiten die erfolgreichsten Coaches des Landes. Insofern ist Köln ein Stück weit das Herz des deutschen Galopprennsports.

An welchen Zielen arbeiten Sie für die Zukunft?

Unsere Marketingmaßnahmen haben sich bereits bezahlt gemacht, die ersten Schritte in der Zielgruppenerweiterung sind gelungen, darauf wollen wir aufbauen. Nun arbeiten wir an einem nachhaltigen Konzept, um den Galopprennsport in Köln auf diesem hohen Niveau zu halten. So wollen wir die Anzahl der Veranstaltungen sukzessive erhöhen. Denn wir glauben, dass wir mittlerweile ein Stammpublikum haben, das mehr als die bisherigen zwölf Renntage pro Jahr besuchen möchte.

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