Köln.Sport

Ein neuer Sportler für die Stadt

Die Lücke, welche Dr. Agnes Klein mit ihrem Rücktritt als Dezernentin für Jugend, Bildung und Sport hinterlässt, wird ab 1. Juni Robert Voigtsberger füllen. Mit ihm darf sich der Sport in Köln über einen zusätzlichen Kämpfer für seine Interessen freuen
Voigtsberger

Bislang war Robert Voigtsberger erster Beigeordneter der Stadt Stolberg. (Foto: Ben Horn)

Obwohl Robert Voigtsberger erst am 1. Juni sein neues Amt antritt, ist er vorab bereit für ein Dienst-Gespräch – sogar, wenn der Termin kaum ungünstiger fallen könnte. Denn als Köln.Sport ihn erreicht, befindet sich der 38-Jährige im Oster-Urlaub. Und obendrein hat er an diesem Tag auch noch Geburtstag. Gefeiert werde im kleinen Kreis mit Freunden und Familie, verrät er. Dass sich der neue Kölner Dezernent für Bildung, Jugend und Sport dennoch an seinem Ehrentag Zeit für ein Gespräch nimmt, zeigt: Voigtsberger ist gedanklich längst bei seiner neuen Aufgabe angekommen.

Und die könnte herausfordernder kaum sein, schließlich übernimmt er das Amt von Dr. Agnes Klein, die sich Ende April in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat. Mit ihr verliert der Kölner Sport eine seiner unerbittlichsten Kämpferinnen, doch der Nachfolger macht keinen Hehl daraus, dass ihm der Sport in der selbsternannten „Sportstadt“ ebenso am Herzen liegt. Und wirft man einen Blick auf die Vita Voigtsbergers, gibt es an seiner Eignung, speziell für den Bereich Sport, eigentlich keinen Zweifel mehr. Denn als er 2008 sein Studium an der Sporthochschule Köln mit Schwerpunkt Ökonomie und Management abschließt, ist für ihn klar, dass er im Anschluss sofort eine Tätigkeit in diesem Bereich ausüben will. So landet Voigtsberger beim Deutschen Behindertensportverband (DBS). „Der Deutsche Behindertensportverband ist einerseits Spitzensportverband, aber auch Dachverband. Dabei, und das wird oft unterschätzt, handelt es sich beim DBS um einen der größten Sportverbände Deutschlands, der über mehr als 600.000 Mitglieder verfügt.“ Dort beginnt er als Honorarkraft, kümmert sich auch um das Ticketing für die Paralympics.

Der Sohn des früheren NRW-Wirtschaftsministers Harry Voigtsberger arbeitet sich schnell hoch, zu Jahresbeginn 2009 bekleidet er im Verband dann das hauptamtliche Amt des Fußballkoordinators. „Das war ein Leuchtturmprojekt, welches gemeinsam mit der DFB-Stiftung Sepp Herberger ins Leben gerufen wurde. Ziel war es, die besondere Kraft des Fußballs zu nutzen, um Menschen mit Behinderung über den Sport in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und zu zeigen, zu welchen Leistungen diese Athleten fähig sind.“ Daraus geht auch die Blinden-Fußballbundesliga hervor, die sich mittlerweile fest auf der Sportlandkarte etabliert hat.

Auf den FC-Fan wartet viel Arbeit

2011 geht er dann in die Funktion des stellvertretenden Sportdirektors und ist fortan für den gesamten Sportbereich im DBS zuständig. Darunter fallen auch die Paralympics 2012 in London sowie 2014 in Sotschi, die Voigtsberger als Teil des Teams auch bei den Spielen begleitet. Im Anschluss zieht es ihn in das 57.000-Einwohner-Städtchen Stolberg bei Aachen, in seinem Dezernat sind die Bereiche Jugend, Schule, Soziales, Sport, Kultur und Tourismus angesiedelt. Seit Anfang des Jahres fungiert Voigtsberger zudem als kommissarischer Verwaltungschef. Unter seine Ägide fällt auch die strategische Neuausrichtung der Stolberger Schul- und Sportlandschaft.

„Vor gar nicht allzu langer Zeit ist dann ein Personalberatungsbüro auf mich zugekommen. Ich wurde kontaktiert und gefragt, ob ich mich dem Stellenbesetzungsverfahren in Köln stellen möchte. Ich habe mich nach kurzer Rücksprache mit meiner Familie gerne an dem Verfahren beteiligt und bin froh, dass ich eine so breite Unterstützung erfahren durfte.“ Am 4. April wird der SPD-Mann zum Beigeordneten für Bildung, Jugend und Sport gewählt, er nimmt diese Wahl mit den Worten „Ja, sehr gerne“ an und bekommt Standing Ovations. Voigtsberger ist das mit Abstand jüngste Mitglied im Stadtvorstand.

„An der Zukunft der Stadt mitarbeiten zu dürfen ist ein großer Traum von mir“, sagt der Nachfolger von Dr. Agnes Klein. Voigtsberger ist bekennender FC-Fan, „auch wenn ich zeitbedingt leider nicht mehr alle Spiele so intensiv verfolge wie früher“. Er hat sogar einmal ein Praktikum bei seinem Herzensklub absolviert. „Das war 2005, damals saß die Verwaltung des 1. FC Köln noch im Stadion. Ich durfte dort hineinschnuppern und konnte so hinter die Kulissen eines solch großen Vereins blicken, das war eine tolle Zeit.“ Einige Monate später kehrt er dann noch mal zum Effzeh zurück, absolviert ein vierwöchiges Praktikum im Jugendbereich.

Auch privat ist Voigtsberger Fußballer, beginnt seine Karriere in der Jugend in Aachen bei Borussia Brand, wo er im Seniorenbereich verletzungsbedingt die Treter an den Nagel hängen muss. Am Platz ist er jedoch immer noch oft zu sehen. „Mein Sohn ist neun Jahre alt und spielt selber Fußball, immer wieder trifft man mich jedoch auch in der Turnhalle, weil meine sechsjährige Tochter turnt.“ Der gebürtige Aachener weiß also um den Stellenwert und die Wichtigkeit des Sports – insbesondere, was den sozialen Aspekt angeht. „Der Sport baut viele Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen, Altersgruppen, Geschlechter, Glaubensrichtungen und sexueller Orientierungen, oder zwischen Menschen mit verschiedenen Barrieren und Belastungen. Das ist die Kraft des Sports, die es zu fördern gilt.“

Das wird er ab 1. Juni in der Kölner Stadtverwaltung tun. „Nun geht es noch darum, mit Frau Dr. Klein eine reibungslose Übergabe zu organisieren. Erste sehr positive Gespräche haben bereits stattgefunden, worüber ich sehr froh bin. Darüber hinaus freue ich mich sehr, die Kolleginnen und Kollegen aus dem Haus, die Institutionen, Sportvereine und Bürgerinnen und Bürger der Stadt kennenzulernen und zu erfahren, welche guten Konzepte bereits vorliegen.“ Es wartet also eine Menge Arbeit auf Robert Voigtsberger. Er wird sich einen Überblick verschaffen und sie anpacken. Bleibt ihm nur zu wünschen, dass dies im kommenden Jahr nicht an seinem Geburtstag geschehen muss.

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