Köln.Sport

Ein Leben für den Fussball

Mit 71 Jahren könnte Thomas Gürtler die Füße hochlegen und sich Fußballspiele gemütlich auf der Couch ansehen. Doch das kommt für die gute Seele der Viktoria nicht infrage! Seine Liebe zum Fußball kennt keine (Vereins-)Grenzen.
Thomas Gürtler

Der 71-jährige Betreuer und Zeugwart von ­Viktoria Köln verbringt jede freie Minute auf dem Sportplatz. Ob beim Training, beim Spiel der Regionalliga-Mannschaft oder bei der Viktoria-Reserve – Gürtler ist immer dabei. (Foto: Thomas Gürtler)

Morgens um halb acht Uhr liegt der mitten im Wald gelegene Sportpark Höhenberg noch im Schlaf. Keine Fußballer, die hier herum laufen, keine Trainer, die Anweisungen geben, nur ein paar Vögel geben lauthals Töne von sich. Einer jedoch läuft um diese Uhrzeit schon umtriebig durch das Viktoria-Trainingsgelände, lange bevor die Profis zweieinhalb Stunden später ihre Schuhe schnüren und dem Sportpark fußballerisch Leben einhauchen.

„Von nichts kommt nichts“, sagt Thomas Gürtler, Betreuer und Zeugwart des Regionalligisten. Während die Kicker sich im Bett noch einmal auf die andere Seite drehen, zieht Gürtler im Sportpark Höhenberg einsam seine Kreise.

Getränkeflaschen, Stäbe, Matten, Bälle, Männchen, Hütchen – es gibt so einiges, woran der 71-Jährige denken muss, damit es beim Training nachher an nichts fehlt. Doch Gürtler hat alles im Griff, seine Arbeitsmaterialien hat er mehr oder weniger ordentlich in seinem eigenen „Kabuff“ gelagert – und das bereits seit acht Jahren. Seit seinem ersten Tag ist Thomas Gürtler bei der Viktoria unverzichtbar.

Von der Südstadt auf die Schäl Sick

Von der Derby-Niederlage seiner Viktoria gegen den Rivalen Fortuna Köln im FVM-Pokal hat sich Gürtler an diesem Donnerstag Morgen noch nicht ganz erholt. „Sehr schade, solch ein Spiel in der Schlussminute zu verlieren“, resümiert Gürtler und fügt an: „Wir waren die bessere Mannschaft.“ Dass er mit „wir“ die Viktoria meint, ist angesichts seiner Vergangenheit nicht selbstverständlich.

Denn Gürtler stand über 25 Jahre in Diensten der Südstädter, die meiste Zeit in der Funktion des Fanbeauftragten. Über 2.400 Fortuna-Spiele hat der Fußballverrückte laut eigener Angabe gesehen. „Da halte ich heute noch den Rekord“, sagt er nicht ohne Stolz. Denn auch wenn das Herz mittlerweile rechtsrheinisch schlägt, erinnert sich der 71-Jährige gerne an die Zeit unter Jean Löring.

„Schuster, Schumacher, Krankl, Mink – da habe ich einige Trainer kommen und gehen sehen“, schmunzelt Gürtler. Doch nach dem Ende der „Schäng“-Ära war es auch für Gürtler nicht mehr die Fortuna, die er 25 Jhre geliebt hatte. Ein Leben ohne Fußball allerdings, das kam für den Betreuer und Zeugwart nicht in Frage. In Höhenberg sind die Verantwortlichen heilfroh, so einen erfahrenen Mann von der Viktoria überzeugt zu haben.

„Tribüne ist schöner als im Südstadion“

„Ich habe mich hier gleich wohl gefühlt. Das Stadion liegt wunderschön im Wald und die Tribüne hier ist schöner, als die im Südstadion“, kann sich Gürtler einen Seitenhieb dann doch nicht verkneifen.

„So jetzt muss ich noch die Leibchen aufladen! Ohne Leibchen geht‘s ja nicht. Und die Getränke“, sagt Gürtler und rödelt weiter. Alle Trainingsutensilien lädt er in einen kleinen Transporter ein, mit dem er dann zum Platz fährt. „Es darf keine Kohlensäure in den Getränken sein, das ist ganz wichtig. Dann kriegen die Jungs noch Bananen, im Sommer auch mal Orangen“, erklärt er nebenbei worauf es ankommt.

Glaube an den Aufstieg

Dass der Fußball Thomas Gürtlers größte Leidenschaft ist, wird mit jedem seiner Worte deutlicher. Sogar Beerdingungen hat er schon abgesagt, wenn ein Spiel anstand. Nun träumt er davon, dass seine Viktoria den Aufstieg in die dritte Liga nach mehreren gescheiterten Anläufen endlich perfekt macht. „Ich bin positiv gestimmt, weil ich weiß, dass die Jungs gut Fußball spielen können“, sagt Gürtler, der in der Bundesliga dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach die Daumen drückt.

Dass er bei Nennung dieser Vereine in Köln bei so manch hiesigem Fan in Ungnade fällt, interessiert Gürtler wenig. Er liebt einfach den Fußball – über Vereinsgrenzen hinweg. Ans Aufhören denkt der 71-Jährige noch lange nicht. „Ich bin körperlich topfit. Ich ziehe noch einige noch ab!“, sagt Gürtler. Was genau er damit meint, bleibt sein Geheimnis. Skeptische Blicke lässt er aber nicht gelten. „Ist so“, versichert er und lacht!

Und so wird Gürtler, der mittlerweile den Transporter mit allen wichtigen Trainingsutensilien beladen hat, wohl noch viele Jahre im Sportpark Höhenberg seine Kreise ziehen. Wenn es geht, sogar bis zum letzten Tag. „Das schönste wäre, irgendwann auf der Bank im Stadion einfach umzufallen. Das wäre für mich der schönste Tod.“ Es wäre auf jeden Fall einer, der zum fußballverrückten Thomas Gürtler passen würde.

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