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Die Haie starten: Jugend forscht

Die Hoffnung war groß, die Enttäuschung am Ende noch größer: In der vergangenen Saison mussten die Kölner Haie bereits in der ersten Playoff-Runde die Segel streichen. Nun folgt ein neuer Anlauf, mit jungen Spielern und harten Typen.
Moritz Müller

Endlich gehts wieder los: Kapitän Moritz Müller ist heiß auf den Saisonstart der Kölner Haie. (Foto: imago/Herbert Bucco)

Nur noch zwei Siege – das werden sich viele Haie-Fans am 18. März dieses Jahres gedacht haben. In der ersten Runde der DEL-Playoffs hatten die Kölner ihr zweites Auswärtsspiel der Serie gewonnen, lagen mit 2:1 im Gesamtvergleich vorne. Zwei Tage später sollte dann endlich auch der erste Heimsieg eingefahren und damit der ziemlich sichere Schritt in die nächste Runde gemacht werden. Doch dann kam es, wie es in der jüngeren Playoff-Historie des KEC eigentlich immer kam: Die Heimspiele wurde verloren, die Auswärtsstärke schwand und die Kölner schieden mit 2:4 aus. Was war aus dem Glauben an den großen Erfolg geworden? Aus der Euphorie rund um die Olympiahelden Christian Ehrhoff, Felix Schütz und Moritz Müller? Wie weggeblasen. Am Ende stand einzig die Enttäuschung.

Damit sich diese Geschichte nicht auch am Ende dieser Saison wiederholt, haben die Macher in Deutz ordentlich am Kader geschraubt, ihn nicht nur verändert, sondern fast rundum erneuert. Das Stichwort dabei: mehr Spielhärte. Dass die Haie nämlich besonders in den zurückliegenden Playoffs nicht die nötige Härte und Willenskraft an den Tag legten und oftmals zu brav agierten, ist auch Neuzugang Marcel Müller aufgefallen. „Denen hat immer irgendwie einer gefehlt“, sagt Müller und bezieht sich damit auf einen Spieler, der mit teilweise harten Aktionen das Team in den heißen Phasen eines Spiels auch mal wachrütteln und nach vorne pushen kann.

„Die Mannschaft muss sich finden“

Diesen Spieler hoffen die Haie nun in Steve Pinizzotto gefunden zu haben. Der 34-Jährige kommt vom dreifachen Meister Red Bull München. „Pinner wird eine sehr wichtige Figur in unserem Spiel, denn er hat all die Attribute, die wir bei unseren Spielern suchen, um bei den Topteams der Liga wieder anzudocken“, sagt sein neuer Coach. Dass der Kanadier durch seine Spielweise als „Rüpel der Liga“ gilt, kommt den Kölnern nur entgegen, glaubt Draisaitl. „Wir wissen, dass er polarisiert. Ich bin aber davon überzeugt, dass er unsere Fanbase überzeugen wird.“ Schließlich sei es immer besser, so einen Spieler im eigenen Team zu haben, als gegen ihn anzutreten.

Zudem setzen die Haie in dieser Spielzeit besonders auf junge, entwicklungsfähige Profis. Dies war auch schon in den Testspielen vor Saisonstart zu sehen, in denen die junge Haie-Mannschaft ordentlich Lehrgeld zahlen musste. Kein Problem jedoch, wenn es nach Sportdirektor Mark Mahon geht. „Es ist ein Prozess. Die Mannschaft muss sich finden, und wir sind einen Schritt weiter gekommen. Unsere jungen Spieler haben viel Einsatzzeit bekommen und ihre Sache gut gemacht“, sagt Mahon und gibt gleichzeitig die Marschroute vor. Denn nominell ist der Kader schwächer besetzt als in der Vorsaison, besitzt jedoch deutlich mehr Potenzial auf lange Sicht. Dazu passt auch die Verpflichtung von Fabio Pfohl, der nach vielen Jahren bei den Jung-Haien nach Wolfsburg wechselte und nun in die Domstadt zurückkehrt. „Er ist ein Junge, der schon einen Weg hinter sich hat. Wir wollten ihn unbedingt haben, da wir denken, dass er auf seinem weiteren Weg noch viel Potenzial hat“, sagt Draisaitl.

„Trage das C mit Stolz“

Zunächst geht es also darum, zusammenzufinden – und die Fans in der Lanxess-Arena zu begeistern. „Wir wollen den Fans eine echte Mannschaft präsentieren“, so Draisaitl, in Anspielung darauf, dass der uneingeschränkte Teamgeist im Vorjahr nur streckenweise zu beobachten war. Das soll sich nun ändern – auch mit der Hilfe des erfahrensten Hais im aktuellen Kader: Moritz Müller hat seinen Vertrag bis 2022 verlängert und wird in der kommenden Spielzeit nach dem Rücktritt von Christian Ehrhoff wieder das C des Kapitäns auf dem Trikot tragen. Die Abstimmung darüber erfolgte überraschend beim Mittagessen im Trainingslager, als die Haie-Profis plötzlich Zettel und Stift in die Hand gedrückt bekamen und ihren neuen Kapitän wählen sollten. Das Ergebnis? Überwältigend eindeutig. „Mo ist in einer teaminternen Abstimmung eindeutig zum Kapitän gewählt worden. Er hat Erfahrung mit diesem Amt, ist auch ohne Buchstaben auf der Brust immer ein Führungsspieler der Kölner Haie und auch in der Nationalmannschaft gewesen. Deshalb gibt es für uns überhaupt keinen Grund, über Alternativen nachzudenken“, erklärt Draisaitl.

Und Müller weiß, wie er das Amt auszufüllen hat. „Köln und der KEC sind meine Heimat. Schon deshalb werde ich das C der Kölner Haie wieder mit Stolz tragen. Ich freue mich, dass ich die Rückendeckung der Mannschaft und der sportlichen Führung habe, das ist auch für mich ausschlaggebend. Um erfolgreich zu sein, brauchen wir jeden Einzelnen, müssen ein eingeschweißtes Team sein. Wir sind auf einem guten Weg, müssen uns das aber jeden Tag wieder vor Augen halten. Dies sehe ich als eine meiner Hauptaufgaben“, sagt der frischgebackene Kapitän. Und sollten die Haie das in der Spielzeit 2018/19 auch so umsetzen, den junge Spielern Spielerfahrung ermöglichen und endlich mehr Spielhärte an den Tag legen, stehen die Chancen gut, dass die Saison als erfolgreich bewertet wird. Auch wenn der Sprung ganz an die Spitze vorerst wohl ausbleiben wird. Auf lange Sicht vielleicht aber auch gar nicht das Schlechteste.

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