Köln.Sport

„Die Fans sollen wieder stolz auf die Haie sein“

Exklusiv-Interview: Haie-Sportdirektor Mark Mahon ­erklärt Köln.Sport seinen Plan B nach dem Müller-Aus, und spricht über die Planungen für die kommende Saison sowie das alles überstrahlende Ziel für den KEC 2018/19.
Mark Mahon

Mark Mahon will mit den Haien in der kommenden Saison endlich mal über das Viertelfinale hinaus kommen (Foto: imago/Eduard Bopp)

Der Mai begann für die Kölner Haie alles andere als schön: Nationalspieler Marcel Müller, gerade erst aus Krefeld zurück zum KEC gewechselt, musste die anstehende Weltmeisterschaft in Dänemark wegen einer Knieverletzung absagen. Auch seinem neuen, alten Verein wird der Angreifer lange fehlen – ein Einsatz noch in diesem Jahr scheint für „Malla“ äußerst fraglich. Nur einen Tag später treffen wir Haie-Sportdirektor Mark Mahon zum Gespräch. In seinem Büro schildert der Deutsch-Kanadier Köln.Sport, wie Plan B bei den Kölner Haien aussieht, wie die Planungen für die neue Spielzeit laufen und welches Ziel sich der KEC vorgenommen hat.

Herr Mahon, die Kölner Haie müssen den Ausfall von Marcel Müller verkraften – wie bitter war diese Nachricht für die Planungen beim KEC?

Das ist natürlich enorm bitter, es ist ein herber Rückschlag. Nicht nur für uns, sondern vor allem für Marcel und seine Karriere. Aber so ist der Profisport – wir werden ihn nun nach allen Kräften unterstützen. Das einzig Positive ist: Es ist erst Anfang Mai, wir haben noch viel Zeit. Ich möchte nicht spekulieren, aber wir hoffen auf einen gesunden Marcel Müller noch in diesem Jahr.

Haben Sie, wenn Sie eine solche Meldung bekommen, direkt einen Plan B im Kopf, oder schmeißt eine solche Verletzung erst einmal sämtliche Pläne um?

Puh, einen Plan B – wie wollen Sie einen Marcel Müller auf dem deutschen Spielermarkt ersetzen? Das geht nicht, es gibt einfach keinen Ersatz für ihn aus diesen Reihen. Wir müssen schauen, was als Importspieler für uns infrage kommt. Wir werden sicherlich einen dritten ausländischen Stürmer verpflichten müssen.

Es gäbe allerdings einen deutschen Spieler, der sogar noch bei den Kölner Haien unter Vertrag steht. Spielte nach Marcel Müllers Verletzung ein Umdenken bei Philip Gogulla in den Überlegungen eine Rolle?

Nein. Es hat sich bei Philip Gogulla nichts verändert, wir gehen getrennte Wege. Das Thema ist für uns erledigt.

Bislang hat der KEC drei Neuzugänge vorgestellt, die allesamt eine Haie-Vergangenheit haben. Ist das ein Teil der Strategie, Jungs mit Stallgeruch zu verpflichten?

Für uns ist es wichtig, die Fans zurückzugewinnen. Die vergangene Saison war nicht akzeptabel – gerade im Hinblick auf die kämpferische Einstellung. Wir müssen im ersten Schritt die leidenschaftliche Beziehung zu unseren Anhängern erneuern. Darauf haben wir unter anderem reagiert mit der Verpflichtung von Marcel Müller, Fabio Pfohl und Alex Oblinger, die bereits bei den Haien waren. Das ist aber nicht die Priorität. Die Priorität ist: Ein Team, das für diesen Club brennt. Kämpferisch und läuferisch stark, schnelles, attraktives Eishockey. Wir wollen, dass die Fans wieder stolz auf ihre Mannschaft sind!

Ist das auch der Kernpunkt der Analyse nach dem abermaligen Viertelfinal-Aus?

Zu 100 Prozent. Mit Peter Draisaitl haben wir einen Trainer, der die erfolgreichen Zeiten beim KEC ganz genau kennt. Und wir wollen zusammen ein schlagkräftiges Team formen, das sich mit dem Club identifiziert und mit dem sich die Fans identifizieren können. Deshalb ist der Charakter für uns ein sehr wichtiges Element auf der Suche nach Neuzugängen.

Fabio Pfohl, ein trotz seines Alters schon gestandener DEL-Spieler mit viel Potenzial, kehrt zurück nach Köln. Was versprechen Sie sich von ihm?

Fabio ist enorm wichtig für uns, er nimmt einen großen Platz in unseren Planungen ein. Er ist ein sehr talentierter Junge, der sich in Wolfsburg unter Pavel Gross sehr gut entwickelt hat. In den Playoffs hat Fabio aufgrund der Verletzungen von Mark Voakes und Tyler Haskins bereits viel Verantwortung übernommen. Er soll hier den nächsten Schritt in seiner Entwicklung nach vorne gehen, um zu einem konstant starken Faktor in unserer Offensive zu werden. Ich sehe für ihn eine große Zukunft bei den Kölner Haien!

Überraschender kam die Verpflichtung von Alex Oblinger, der auch in der Jugend kurze Zeit beim KEC war. Welchen Plan verfolgen Sie mit dem routinierten Angreifer?

Alex kommt hochmotiviert nach Köln: Er will sich beweisen, will zeigen, dass er bei einem großen Club eine Rolle einnehmen kann. Er bringt die gewisse „toughness“ ins Team, ist körperlich stark und hat als Rechtsschütze in der vergangenen Saison zweistellig getroffen. Dazu kennt Peter Draisaitl ihn sehr gut aus der Vergangenheit. Es ist das Gesamtpaket bei ihm, das uns überzeugt hat. Alex brennt auf seine Chance bei den Haien.

Wie weit sind insgesamt die Planungen für die ­kommende Saison? Die Haie-Fans warten ungeduldig auf die nächsten Neuzugänge.

Wir lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen. Die Fans und die Medien wollen natürlich schnellstmöglich etwas präsentiert bekommen, aber wir müssen Geduld haben. Peter und ich sitzen täglich zusammen, sprechen über mögliche Kandidaten. Wir sind auf einer Wellenlänge, was das anbetrifft. Aber wir dürfen uns nicht hetzen lassen – wir schauen nach Nordamerika, aber auch auf etablierte Kräfte in Europa. Es müssen einfach die richtigen Spieler sein. Und wir sind mit Hochdruck dabei, diese zu finden!

Wie sehen denn die Gedankenspiele beim KEC aus: Geht der Blick eher Richtung Nordamerika, braucht es doch Europa-Erfahrung, oder wird es am Ende ein Mix aus beidem werden?

Der Markt gibt derzeit beides her. Es ist klar: Wir sind immer noch ein DEL-Club – und für Spieler gibt es, so ehrlich muss man sein, noch attraktivere Ligen als unsere. KHL, Schweiz, Schweden – da werden auch gute Spieler gesucht. Wir müssen schauen, dass wir der Konkurrenz dort ein Schnippchen schlagen können. Die DEL wird attraktiver für Klasseleute, das merken wir in den Gesprächen. Gute und sichere Bezahlung, tolles Umfeld mit tollen Fans, dazu ein besseres Image dank des Olympia-Erfolgs: Das wollen wir nutzen.

Gerade auf der Center-Position hatte der KEC letzte Saison große Probleme. Ist das ein Thema, das angegangen werden soll?

Ja, definitiv. Wir suchen auf der Position verstärkt nach einem Top-Center. Das Team braucht jemanden, der läuferisch gut und erfahren ist, am Bully stark ist und Scoringpower hat. Die sind natürlich sehr schwer zu finden, das suchen viele Vereine. Dazu noch einen körperlich starken Zwei-Wege-Center, der offensiv wie defensiv Akzente setzen kann. Da auch Fabio Pfohl aus meiner Sicht eine gute Rolle als Center spielen wird, wären wir damit sehr gut aufgestellt.

Auch in der Defensive sind die Haie auf der Suche nach Verstärkungen – es gilt Fredrik Eriksson und Shawn Lalonde zu ersetzen. Will der KEC dort auf ähnlich offensivstarke Spielertypen setzen, oder geht der Club in der Abwehr andere Wege?

Ich sehe die Verteidiger im Kollektiv in der Pflicht. Wir haben einige Abwehrspieler bereits unter Vertrag, die in der Offensive auch ihre Chance bekommen können. Aber sicherlich: Wir brauchen für das Powerplay jemanden mit Quarterback-Qualitäten wie Eriksson und jemanden mit einem ordentlichen Schuss wie Lalonde – das sind Faktoren, die wir auf dem Markt suchen. Aber es muss einfach passen, sonst schauen wir nach anderen Optionen.

Mit Dani Bindels haben die Haie zuletzt ein weiteres Talent in den Profikader befördert. Werden die Youngster um Lucas Dumont, Mick Köhler und Co. in der kommenden Saison mehr Eiszeit sehen? Es muss schließlich ein U23-Talent bei jeder Partie auf dem Spielberichtsbogen stehen.

Sie werden nicht nur auf dem Spielberichtsbogen stehen, sie werden auch definitiv spielen. Wir werden diese Regelungen nicht umgehen, indem wir ein Talent einfach nur als siebten Verteidiger auf der Bank schmoren lassen. Im übernächsten Jahr sind es schon zwei U23-Spieler, die gelistet werden müssen. Da musst du einen entsprechenden Pool an Talenten bilden. Mit Dumont, Köhler, Bindels und Palka haben wir gute Jungs an Bord.

Wie zufrieden sind Sie im Bereich der Nachwuchsförderung hier in Köln?

Es wird von Nachwuchschef Rodion Pauels und seinem Team hervorragende Arbeit geleistet. Mit der neuen U20-Liga, die ab der kommenden Saison gespielt wird, ist ein erster Schritt gemacht. Wir hoffen, dass wir in drei, vier Jahren so weit sind, dass Spieler aus unserem Nachwuchsteam immer wieder zu den Profis herangezogen werden können. Das ist unser Konzept – wir wollen Kölner Jungs nach oben bringen. Die Talente sollen sehen, dass sie eine Chance haben, mit dem Hai auf der Brust in der Lanxess-Arena aufzulaufen. Dafür machen wir das Ganze, dafür stecken wir viel Arbeit, viel Zeit und viel Geld in die Nachwuchsförderung. Wir brauchen aber in diesem Bereich Geduld, das müssen die Haie-Fans verstehen!

Vor den Haien liegt derweil eine spannende Saison mit einem Duell gegen die Edmonton Oilers um Leon Draisaitl und dem DEL Winter Game gegen Düsseldorf. Ist in diesem Jahr der Erfolgsdruck noch größer als eh schon?

Ich sehe das nicht als zusätzlichen Druck. Das sind zwei tolle Events für die Kölner Haie – zwei Events, die uns auch auf dem Spielermarkt helfen können. Wir stellen aber nicht deshalb eine andere Mannschaft zusammen, wir wollen in jedem Jahr mit unseren Mitteln das bestmögliche Team in Köln an den Start bringen. Und in dieser Saison geht es besonders darum, die Fans zurückzuerobern.

Und welches Ziel soll dabei herausspringen? In den vergangenen Jahren wurde viel von Titelambitionen gesprochen, die Top 4 sollten es mindestens sein und am besten München ein Bein stellen.

München und Köln sollten wir nicht in einem Zusammenhang nennen. Die Messlatte mit drei Titeln in Folge ist extrem hoch. Wie weit sind die Kölner Haie in der Zeit gekommen? Halbfinale, Viertelfinale, Viertelfinale. Der Weg ist sehr lang. Für uns ist das Ziel klar – und das habe ich schon genannt: Wir wollen konstanter werden, wir wollen kämpferisch und läuferisch mit attraktivem, schnellem Eishockey überzeugen. Das ist der Kern des Ganzen, denn so holen wir die Fans wieder an Bord. Wenn wir das schaffen, dann werden wir mit unserer Qualität die Chance auf eine Platzierung unter den besten vier haben. Das wollen aber viele andere Clubs auch.

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