Köln.Sport

„Der Sport kommt zu kurz in Köln“

Am 15. Januar trat Gregor Timmer die Nachfolge von Dieter Sanden als Leiter des Sportamtes an. In Köln.Sport zieht der ehemalige Pressesprecher der Stadt ein erstes Resümee und gibt Einblick in anstehende Aufgaben.
Gregor Timmer

„Die Problemlagen im Sport sind deutlich vielschichtiger, als ich mir das vorgestellt hatte“, konstatiert der neue Sportamtsleiter ­Gregor Timmer (Foto: imago/Günther Ortmann)

Der Wechsel könnte kaum krasser ausfallen. Elf Jahre lang stand Gregor Timmer dem städtischen Presseamt vor, diente drei Stadtoberhäuptern als Sprecher. Immer in Habachtstellung, 24 Stunden am Tag auf Abruf. Jederzeit bereit, schnell und unmittelbar auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren und Krisen zu moderieren. Und davon gab es einige in seiner Amtszeit.

Stadtarchiv-Einsturz, Flüchtlingskrise, Kostenexplosion beim Opernbau, das Attentat auf Henriette Reker, um nur ein paar zu nennen. Das bedeutet Stress. Dagegen muss sich der Chefposten der städtischen Sportplatzpfleger doch geradezu wie Urlaub anfühlen. „Die Taktung ist heute schon eine andere“, gesteht Timmer, „daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.“

Komplexe Prozesse im Sport nehmen mehr Zeit in Anspruch

An seinem Tagesablauf hat sich nicht viel geändert, außer vielleicht dass er im neuen Job seltener Krawatte trägt. „Die Arbeit im Sportamt nimmt einen dicht getakteten Bürotag voll in Anspruch“, erklärt er, „häufig kommen dann Abend- und Wochenendtermine dazu.“ Beinahe müßig zu erwähnen, dass Köln.Sport den Sportamtsleiter nach Dienstschluss erreicht. Daran hat sich beim Übergang von Dieter Sanden nichts geändert. Über mangelnde Beschäftigung kann sich Timmer also nicht beklagen.

Doch das Arbeiten ist ein anderes, hat der 57-Jährige schnell festgestellt: „In der Presseabteilung kommt ein Problem auf den Tisch, und dann hat man eine sehr enge Zeit, um eine Lösung zu entwickeln. Am Ende des Tages verlässt man das Büro mit dem Wissen, dass das Problem gelöst ist. Das ist hier anders. Wir haben es mit vielen komplexen und vielschichtigen Prozessen zu tun, die längere Zeit in Anspruch nehmen, weil man mehrere Partner einbeziehen und Abstimmungen erzielen muss.“

Die ersten Monate im Amt hat Gregor Timmer damit verbracht, sich einen Überblick zu verschaffen. An zwei Tagen hat er seinen Einflussbereich, die städtischen Sportanlagen zwischen Chorweiler und Porz, mit Mitarbeitern der Sportplatzpflege besucht, um deren Aufgaben und die Probleme vor Ort kennenzulernen. Ein wichtiger Tipp kam vom seinem Vorgänger: „Dieter Sanden gab mir den Rat, mit sehr viel Zurückhaltung an die Aufgabe heranzugehen, den Partnern, mit denen wir zu tun haben, zuzuhören und ihre Problemlagen zu erfassen, um zu erkennen, wo man anpacken kann und wo aktuell der größte Bedarf ist.“

Mittel für Pilotprojekte im Haushalt 2019 angemeldet

Seine vordringlichsten Aufgaben sieht der neue Sportamts-Chef neben dem Tagesgeschäft darin, die Sportentwicklungsplanung weiter voranzutreiben. Hier findet er sich nun in der Position des Auftraggebers wieder, ist direkt involviert und steht in engem Austausch mit den Entwicklungsplanern um Professor Robin Kähler. Das Thema Sportentwicklungsplanung und die Wünsche und Hoffnungen, die der organisierte Sport damit verbindet, hat sich Timmer schnell zu eigen gemacht.

Diese vielleicht einmalige Chance dürfe nicht nur in einer allgemeinen Planung enden, sondern müsse konkret werden in verschiedenen Projekten, die dann Schritt für Schritt umgesetzt werden. „Wir haben für das kommende Haushaltsjahr 2019 entsprechende Mittel angemeldet, damit die Modellprojekte in Gang gesetzt werden können und das entsprechende Geld dafür zur Verfügung steht. Am Ende steht wie immer das Placet der Kämmerin, die darüber entscheiden muss“, verrät Timmer. Viele Gespräche liegen hinter ihm, mit dem Stadtsportbund, mit Vereinen, mit anderen Institutionen des Sports.

„Der Sport in Köln spricht mit vielen unterschiedlichen Stimmen“, hat Timmer erkannt, „aber ich habe auch festgestellt, dass er sich gerade in einer Art  euformierungsphase befindet. Um dem Sport politisch mehr Gewicht zu verleihen, muss man diese vielen Stimmen vereinen. Es gibt über den Stadtsportbund und dessen Vorsitzenden Peter Pfeifer den Versuch, noch einmal die Sammlungsbewegung zu erneuern, geschlossener aufzutreten und gemeinsame Interessen vorher abzustimmen und nach außen hin zu formulieren.

Nur so kann man dem Sport mehr Gewicht verleihen gegenüber anderen Bereichen, die im gesellschaftlichen Leben wichtig sind. Da kommt der Sport anerkanntermaßen noch zu kurz in unserer Stadt.“ Natürlich könne er sich als Mitglied der Verwaltung nicht an die Spitze der Bewegung stellen und vorneweg marschieren, aber „wir sind zu jeder Zeit dialogbereit“ sagt Timmer.

Institutionalisierung des Dialogs der Partner

Die Aufrechterhaltung der Kommunikation mit den Vertretern des Sports ist ein weiterer Punkt auf Timmers Agenda. Kaum verwunderlich bei einem Menschen, der sein ganzes Berufsleben mit Kommunikation bestritten hat, erst als Journalist bei der „Kölnischen Rundschau“ und später im Presseamt der Stadt. „Eine erste sehr gute Folge der Sportentwicklungsplanung ist, dass sie den Austausch und den Dialog zwischen den Partnern institutionalisiert. Man redet mehr miteinander, trifft sich häufiger und informiert sich über Schwierigkeiten. Ich möchte dafür sorgen, dass dieser Kommunikationsprozess, der jetzt in Gang gesetzt wurde, weitere Kreise zieht“, sagt Gregor Timmer.

Einen ganz persönlichen Wunsch hat der neue Sportamtschef aber auch: „einmal selbst mit einem unserer Rasenmäher ein größeres Stück der Stadionvorwiesen zu mähen. Aber da muss ich vorher abklären, ob ich das überhaupt darf, denn dafür muss man ja bestimmte Geräteführerscheine vorweisen können.“ Vielleicht drücken die neuen Kollegen ja ein Auge zu.

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