Köln.Sport

„Das passt zu 100%“

Johannes Geis soll die Kölner Mittelfeldzentrale verstärken. Köln.Sport sprach mit dessen Entdecker und Förderer Mike Büskens. Der erklärt, was der Effzeh konkret von „Geisi“ erwarten darf – und was diesen mit David Beckham verbindet
Johannes Geis

Seit der Winterpause verstärkt Johannes Geis das Mittelfeld des 1. FC Köln. (Foto: Imago/De Fodi)

Als der 1. FC Köln am 13. Januar ­bekanntgab, Johannes Geis, den Ex-Schalker, bis zum Saisonende verpflichtet zu haben, reichten die Reaktionen der Effzeh-Fans von „(Geis)bockstarker Transfer“ über „Potenzial hat er“ bis hin zu „Warum noch ein Mittelfeldspieler?“. So ist es zumindest unter dem Präsentations-Foto im FC-Twitterkanal zu lesen. Wie bei jedem anderen Transfer darf auch hier die Frage erlaubt sein: Geis und die Geißböcke – passt das? Geht es nach Mike Büskens, dem Ex-Trainer, Entdecker und Förderer des 25-Jährigen, wird die Frage mit einem klaren „Ja!“ beantwortet.

Büskens, seinerzeit Trainer der Spielvereinigung Greuther Fürth, war es, der Johannes Geis erstmals ins kalte Becken des Profifußballs schubste. In einem Spiel, in dem es am 20. März 2011 bei Erzgebirge Aue (0:0) um viel ging. Fürth befand sich mitten in der heißen Phase des Aufstiegskampfes zur Ersten Liga. Keine Situation, in der man einem 17-Jährigen einfach so das Vertrauen schenkt. „Aufgrund von Ausfällen haben wir uns damals dazu entschlossen, Johannes die Chance zu geben, in dieser wichtigen Phase zu zeigen, dass er auch im kalten Wasser schwimmen kann. Und das hat er sehr gut gemacht“, erinnert sich Büskens. Er selbst hatte nie Zweifel an den Qualitäten von Geis. „Seine Fähigkeiten hat er schon bei der U19 unter Beweis gestellt“, berichtet der gebürtige Düsseldorfer. Büskens weiß: „Dann geht es darum, ob solch ein Talent es auch schafft, unter größerem Druck und größerer Beobachtung in einem Spiel genau dies abzurufen.“ Zumal man auf diesem Niveau bedeutend weniger Zeit am Ball habe. „Diese Qualitäten haben wir damals in ihm gesehen – und Johannes hat uns nicht enttäuscht.“ Dennoch musste der FC-Neuzugang auf seinen echten Durchbruch im Profifußball warten, der zwei Jahre später mit einem Wechsel zum 1. FSV Mainz 05 verbunden war.

Ruf als Freistoßkünstler

Die bislang stärkste Phase in seiner Karriere erlebte „Geisi“ in seinem ersten Jahr bei den Rheinhessen. Obwohl 20 Jahre jung, spielte sich das Talent auf Anhieb in die Stammelf und machte vor allem mit guten Standards, insbesondere Freistößen, auf sich aufmerksam. Ob das schon früher seine Stärke war? „Grundsätzlich muss man schon Talent dafür haben“, sagt Büskens. Aber Talent allein reiche irgendwann nicht mehr. „Dass man nach den Einheiten noch einmal gewisse Dinge trainiert, gehört zu einem Profi dazu.“ Dann nennt der Ex-Profi, der 1997 mit den legendären Schalker „Euro-Fightern“ den Uefa-Cup gewann, ein prominentes Beispiel: „David Beckham hatte einen überragenden Freistoß, aber den hat er auch stundenlang trainiert. Es wäre ja dumm, wenn man als Fußballer solch eine Gabe hat und daran nicht weiterarbeitet.“

Diese Gabe machte sich Johannes Geis zunutze, erarbeitete sich schnell den Ruf eines Freistoßkünstlers und landete nicht zu Unrecht auf dem Wunschzettel vieler Klubs. „Standards sind eine Waffe und entscheiden im heutigen Fußball immer häufiger die Spiele“, weiß Büskens. Bundesliga­spieler, die diese nahezu perfekt beherrschen, gibt es nicht gerade wie Sand am Meer. Kein Wunder also, dass Schalke 04 im Sommer 2015 satte 10,5 Millionen Euro in die Hand nahm und Geis verpflichtete.

Auch für die Geißböcke können die Vorzüge ihres neuen „Sechsers“ in der heißen Saisonphase entscheidend sein, denn in der jüngeren Vergangenheit war das Team nicht gerade mit Standardspezialisten gesegnet. Doch nicht nur aufgrund seiner Stärke bei ruhenden Bällen ist Geis für den Effzeh eine Verstärkung. „Schon damals hat ihn seine Ruhe am Ball, seine Passqualität im Kurzpassspiel, aber auch bei Verlagerungen und tiefen Bällen ausgezeichnet.“ Gerade wenn der Gegner versucht, das Mittelfeld zuzustellen, und die Räume eng macht, kann Geis seine fußballerische Klasse ausspielen und dem Kölner Spiel das gewisse Extra verleihen.

Perfekte Symbiose

Um die eingangs gestellte Frage nochmals aufzugreifen: Passt Johannes Geis zu den Geißböcken? Für Mike Büskens stellt sich diese Frage gar nicht, beziehungsweise er beantwortet er sie mit einem Wort: „Hundertprozentig!“ Die Begründung des 50-Jährigen ist absolut schlüssig: „Egal wo der Effzeh hinkommt – es sei denn, er fährt nach Hamburg –, gibt der Gegner ihm den Ball und zieht sich zurück. Heißt, der Effzeh hat einen hohen Ballbesitz.“  Und für diese Art Fußball zu spielen sei Johannes Geis prädestiniert, „eben weil er sehr ballsicher ist. Sein erster Blick geht stets nach vorne – und er ist in der Lage, Bälle gut in die Tiefe zu spielen“.

Das klingt nach einem Versprechen seines Entdeckers an die Fans des 1. FC Köln. Aber abgesehen von all den Qualitäten, die Kölns neuer Sechser im Repertoire hat, stellt sich noch eine andere Frage: Wie schnell schafft Geis es, seine Fähigkeiten in seinem neuen Umfeld auf den Rasen zu bringen? In den letzten anderthalb Jahren brachte es der Mittelfeldspieler auf gerade einmal 20 Profieinsätze. Eine all zu lange Eingewöhnungszeit können sich sowohl der Klub als auch Geis nicht erlauben, zumal sein Vertrag nur bis zum Sommer datiert ist. Seine Erfahrung aus 121 Erstligaspielen sowie 17 Partien auf europäischer Bühne sollten sich daher schnell bezahlt machen. Doch auch in diesem Punkt glaubt Mike Büskens zu wissen, dass sein ehemaliger Schützling bei den Geißböcken perfekt aufgehoben ist. „Johannes braucht eine homogene Einheit, die es ihm auch leicht macht, dort anzukommen. Er hat zwar in den letzten anderthalb Jahren leider wenig gespielt und muss erst einmal zu seinem Rhythmus finden. Aber ich glaube, dass er beim Effzeh hervorragende Voraussetzungen vorfindet.“ Das gilt im Übrigen auch auf menschlicher Ebene. Büskens beschreibt den gebürtigen Schweinfurter als „umgänglichen und sehr vernünftigen Typ, der auf die Leute zugeht und weiß, was er will“.

„Ärmel hochkrempeln“

Der Wechsel von Johannes Geis in die Domstadt macht natürlich nicht nur für den Verein Sinn, auch der 25-Jährige profitiert davon. Nach seiner starken Debütsaison bei Mainz 05, in der er sieben Vorlagen und ein Tor erzielte, und einem ordentlichen ersten Jahr bei den „Königsblauen“ folgte die erste Delle seiner noch jungen Karriere. Nachdem auf Schalkes Trainerstuhl Markus Weinzierl auf André Breitenreiter folgte, kam der Standardspezialist nur noch selten zu Einsätzen und geriet zunehmend auf das Abstellgleis. Der logische Schritt war ein Vereinswechsel, der ihm allerdings nicht den erhofften Aufschwung brachte. Denn beim FC Sevilla durchlebte Geis ein weiteres, schwieriges Kapital, welches bereits nach einem Jahr auf Leihbasis wenig erfolgreich zu Ende ging. Böse Zungen würden die Rückschläge auf einen Mangel an Qualität zurückführen. Für seinen Entdecker sind das jedoch ganz normale Szenarien, die zu einer Fußballkarriere dazugehören. „Sevilla ist eine Top-Adresse in Europa, dort konnte er sich leider nicht durchsetzen“, sagt Büskens.„ Aber das lag auch an anderen Faktoren als nur an ihm selbst.“ Dies sei auch einem neuen Trainer geschuldet gewesen, der eine andere Ausrichtung wollte. „Dagegen ist man dann manchmal machtlos. Und als er zurück zu Schalke kam, hat Coach Domenico Tedesco nicht auf ihn gesetzt. So etwas passiert.“

Daher ist der Schritt von Schalke zu Köln für Johannes Geis auch ein neue Chance, vielleicht sogar eine Art Neuanfang. Während er bei Schalke seinen Vertrag bis zum Sommer hätte aussitzen können, sucht er stattdessen beim Effzeh eine neue Herausforderung. Das alleine spricht schon für den Charakter von „Geisi“, wie ihn sein Ex-Trainer gerne nennt. Was ebenfalls für den Neuzugang spricht, ist die Tatsache, dass es eine „Chance auf Bewährung“ ist. Gerade weil der Kontrakt nur bis zum Sommer gültig ist, muss der neue Hoffnungsträger Vollgas geben und dem Verein und den Fans zeigen, dass er helfen kann. Das betont auch Ex-Profi Büskens: „Natürlich muss ,Geisi‘ wissen, dass er jetzt die Ärmel hochkrempeln und sich beweisen muss.“ So manch Außenstehender, der den Fußballer Geis bislang nicht kennt, wird gewisse Erwartungen in den neuen Effzeh-Sechser haben. „Die möchte man dann auch bestätigt sehen“, weiß Büskens aus Erfahrung. Geis nimmt diese Situation an, „weil er davon überzeugt ist, dass er sie bestehen wird“. Das spreche erst mal für ihn. „Die Fans in Köln sollte ihm ohne Vorbehalte begegnen und den Jungen einfachen zocken lassen!“

Geis wie ein „Puzzlestück“

Doch ein gewisses Risiko, den nächsten Rückschlag hinnehmen zu müssen, geht Geis ein. Denn in nur vier Monaten muss der elfmalige U21-Nationalspieler bei den Geißböcken schnell heimisch werden und seine Qualitäten unter Beweis stellen. Ansonsten müsste er sich im Juni erneut nach einem neuen Verein umsehen. Das sieht Büskens ähnlich: „Johannes geht das Risiko bewusst ein. Klar, ihm fehlt der Rhythmus und er braucht die Unterstützung der Mitspieler.“ Wenn man den Worten der Schalker Legende Glauben schenkt, dann wird „Geisi“, der Freistoßkünstler, ganz Kölle begeistern und seinen Teil dazu beitragen, dass der selbsternannte Karnevalsverein im nächsten Jahr wieder erstklassig spielt. „Ich bin gespannt, wie Fans und Verantwortliche reagieren, wenn er den ersten Standard reinhaut oder die Ecken abwechselnd mit Louis Schaub (ebenfalls ein Ex-Spieler des Coaches bei Rapid Wien, Anm. d. Red.) den Stürmern Terodde und Cordoba auf den Kopf knallt“, sagt Büskens. 

Der sympathische Trainer wird nicht müde zu betonen, dass Geis in Köln einiges bewirken kann. „Mit seinen Qualitäten fügt er sich wie ein wichtiges Puzzleteil in diese Mannschaft ein. Ich wünsche ihm, dass er beim Effzeh schnell heimisch wird und dann im Sommer zusammen mit Louis etwas zu feiern hat.“ Das sollte die Rückkehr der Geißböcke in die Bundesliga sein. Spätestens nach dem letzten Spieltag in Magdeburg steht dann auch fest, ob der Effzeh mit Johannes Geis einen „(Geis)bockstarken Transfer“ getätigt hat oder nicht.

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