Köln.Sport

„Das Label Sportstadt nach vorne bringen“

Quelle: Sportamt der Stadt Köln

Kölns Sportdezernentin Dr. Agnes Klein auf einer Presseveranstaltung. Rechts Sportamtsleiter Dieter Sanden.

Der Rat der Stadt Köln hat beschlossen, eine neue Referentenstelle „Sportstadt Köln“ zu schaffen. Köln.Sport sprach im Vorfeld mit Sportdezernentin Dr. Agnes Klein über Ziele, aber auch die Kritik, die damit verbunden ist.

Frau Dr. Klein, die Stadt Köln will den Verein Sportstadt Köln e.V. mit der Schaffung einer auf ein Jahr befristeten Halbtagsstelle „Referent/-in Sportstadt Köln“ unterstützen. Wie kam es zu dieser überraschenden Entscheidung?
Dr. Agnes Klein: Wir haben schon vor über einem Jahr, als es um den Beitritt der Stadt in die Sportstadt Köln e.V. ging, als Verwaltung den Vorschlag gemacht, den Verein zu unterstützen. Die Vorlage dazu beinhaltete eine hauptamtliche Unterstützung im Sportamt. Es wurde entschieden, dies im Rahmen der Haushaltsberatung 2013/14 zu verabschieden. Der Doppelhaushalt war jedoch im Kern ein Sparhaushalt, so dass es der Verwaltung nicht gelungen ist, eine professionelle Unterstützung für die Sportstadt Köln e.V. hineinzubringen. Deshalb haben wir es jetzt in dieser Form auf den Weg gebracht.

Für die Halbtagsstelle wurden vom Stadtrat Zuschüsse in Höhe von 35.050 Euro bewilligt. Woher stammen diese Mittel?
Der Deckungsvorschlag geht aus „Kids in die Clubs“ hervor. Überlagert hat sich dieses Programm mit dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung, das zunächst gewisse Anlaufschwierigkeiten hatte. Über das Bildungspaket können auch Teilnahmen an Sportveranstaltungen finanziert werden; es richtet sich an eine ähnliche Zielgruppe wie „Kids in die Clubs“, so dass wir nun einen Teil der Mittel frei haben, um sie der Sportstadt Köln e.V. zu Verfügung zu stellen.

Die frei werdenden Mittel über 35.050 Euro hätten auch die Sportjugend Köln gerne erhalten. Können Sie die Kritik seitens der SJK verstehen?
Köln ist eine wachsende Stadt. Wir haben mehr Kinder, mehr Jugendliche, dass die Jugendbeihilfe hierbei immer im Fokus steht, kann ich gut nachvollziehen. Wir müssen mit der Sportjugend intensiv darüber reden, ob wir diesbezüglich etwas bewegen können. Aber genauso wenig, wie wir den Sport gegen die Kultur ausspielen sollten, sollten wir die Jugendbeihilfe gegen die Sportstadt Köln e.V. ausspielen. Es bringt uns nicht wirklich weiter, wenn wir bei jeder Veranschlagung im Sportetat erst darüber nachdenken müssen: „Das könnte man auch sein lassen – und stattdessen damit die Jugendbeihilfe erhöhen.“

Die SJK spricht in dem Zusammenhang gar von „Vertrauensbruch“.
Einen Vertrauensbruch sehe ich nicht, im Gegenteil, ich führe regelmäßig Gespräche mit der Sportjugend und dem Stadtsportbund. Die Zuwendungen für die Referentenstelle sind ja auf ein Jahr befristet. Eine Erhöhung der Jugendbeihilfe müsste selbstverständlich dauerhaft erfolgen.

Ab wann soll diese Referentenstelle besetzt werden?
Die Referentenstelle wird von der Sportstadt Köln e.V. ausgeschrieben. In unserer Sportstadt sollten sich eine Menge geeigneter Interessenten finden, so dass die Stelle auch zügig besetzt werden kann.

Unter anderem soll der neue „Referent Sportstadt“ Fördermittel aquirieren. Dies ist jedoch schon Volker Staufert, dem 1. Vorsitzenden des Vereins, in den letzten Jahren kaum gelungen.
An diese Stelle ist ein umfangreiches Aufgabentableau geknüpft. In der Sportstadt Köln gibt es viele unterschiedliche Aufgaben, aber eine ganze Menge davon – wie Schulsport, Kitasport, Breitensport, Leistungssport – werden bereits von den zuständigen Institutionen organisiert. Dies alles zu bündeln wird nun eine wesentliche Aufgabe des Referenten sein. Zu seinen Tätigkeiten gehört auch, das Label Sportstadt Köln nach vorne zu tragen. Dafür braucht es Sponsoren, und dies ist sicherlich ein schwieriges Thema. Man darf vom künftigen Referenten nicht erwarten, dass er Berge versetzt. In erster Linie assistiert diese Person dem 1. Vorsitzenden Volker Staufert, der für den Sportstadt Köln e.V. ehrenamtlich tätig ist.

Die Organisation des Kölner Sports ist Aufgabe der Stadtsportbundes (SSB). Hätte es nicht mehr Sinn gemacht, die hauptamtliche Referentenstelle gleich dort anzusiedeln?
Jetzt kommen wir ein bisschen in eine Futterneid-Debatte. Erstens erhält der SSB bereits städtisches Geld, um eine Geschäftsstelle zu führen. Zweitens gehört der SSB dem Vorstand des Vereins an, hat also von daher auch ein Stück weit Zugriff auf diese Personalressource. Von daher glaube ich, dass die Referentenstelle bei der Sportstadt Köln e.V. richtig platziert ist. Und der SSB wiederum kann, sofern er ein Anliegen im Rahmen des Vereins Sportstadt Köln hat, sich mit einer Aufgabenstellung an diese Person wenden.

Kritiker werfen der Sportstadt Köln e.V. vor, sie habe seit der Gründung im Jahr 2011 praktisch kaum etwas bewegt. Warum investiert die Stadt trotzdem in diesen Verein?
Wir haben sehr viele Aktivitäten und sehr viel Player im Kölner Sport. Im Vorstand des Vereins Sportstadt Köln sind unter anderem der Stadtsportbund, die Deutsche Sporthochschule, die Sparkasse KölnBonn und die Stadt Köln vertreten. Die Idee der Sportstadt e.V. lautet, dies alles ein Stück weit zu bündeln. Allerdings nicht mit dem Ziel, dass sich alle unterordnen müssen, sondern die Dinge unter ihrem Dach besser abzustimmen als in den vergangenen Jahren. Und um Projekte voranzubringen, bei denen jeder in seinem Bereich wirksam werden muss: das Sportamt, die Stadt, die Sporthochschule usw. Ich finde, man kann die Argumentation genauso gut umdrehen: Weil wir den städtischen Haushalt konsolidieren müssen, weil das Akquirieren von Sponsoren im Kölner Sport schwierig ist und weil wir den Verein Sportstadt e.V. nicht von vornherein mit entsprechenden finanziellen Mitteln ausstatten konnten, war die Situation bislang unbefriedigend. Und genau das wollen wir jetzt ändern.

Das Gespräch führte Frank Schwantes

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