Köln.Sport

Das Bender-Jahrzehnt

Seit 2009 läuft Lars Bender im Dress der Werkself auf und schickt sich an, eine echte Vereinslegende zu werden. Köln.Sport beleuchtet seinen Werdegang vom vielversprechenden Talent hin zum Bayer-Kapitän.

Seit neun Jahren ist Lars Bender Stammspieler bei Leverkusen (Foto: imago images / Lars Perenci)

In 304 Pflichtspielen stand er bislang für Bayer 04 Leverkusen auf dem Rasen, davon 128 Mal mit der Kapitänsbinde – Lars Bender ist aus der Werkself nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil: Der gebürtige Rosenheimer ist drauf und dran, sich in die Riege der großen Namen wie Rüdiger Vollborn, Ulf Kirsten oder Stefan Kießling einzureihen. Zehn Jahre Bayer 04 – das haben bislang nur neun andere Profis geschafft, womit Bender in die Top-10 der Werkself-Profis vorgerückt ist. „Darauf bin ich wirklich stolz. Es ist ja keine Selbstverständlichkeit, dass man sich über so viele Jahre bei einem Klub wie Bayer 04 auf einem solch hohen Niveau bewegt“, äußerte sich der Kapitän auf der Vereinshomepage.

Am 6. November hat sich sein Debüttor für Leverkusen zum zehnten Mal gejährt, Grund genug, die Karriere des Musterprofis Revue passieren zu lassen. Mit 20 Jahren wechselte Lars Bender 2009 als frisch gebackener U19-Europameister vom TSV 1860 München unter das Bayer-Kreuz und galt schon damals als vielversprechendes Talent. Nicht zuletzt, weil er drei Jahre zuvor mit der goldenen Fritz-Walter-Medaille des U-17-Jahrgangs ausgezeichnet wurde, auch, weil er bereits die Erfahrung von 58 Zweitligaspielen sowie sechs DFB-Pokal-Einsätzen mitbrachte. Vor etwas mehr als zehn Jahren, am 20. September 2009, feierte er sein Debüt in Deutschlands höchster Spielklasse gegen den SV Werder Bremen.

Weg zum Stammspieler

Anfangs ging es für ihn darum, schnell Fuß zu fassen und sich in der Mannschaft ein gewisses Standing zu erarbeiten. „Alles an diesem Verein kam mir sehr groß vor. Ich bin die Sache also mit einer gewissen Ehrfurcht angegangen“, erinnert sich der Mittelfeldspieler an seine Anfangszeit bei Bayer. Obwohl die Konkurrenz auf der Sechser-Position mit Simon Rolfes oder Arturo Vidal extrem stark war, bekam er regelmäßig seine Einsatzzeiten, auch, weil ihm sein damaliger Coach Jupp Heynckes sein Vertrauen schenkte.

Erstmals in der Startelf stand er gleich in seinem zweiten Bundesligaspiel. Doch nicht nur die Tatsache, dass es sein erstes Spiel von Beginn an war, machte das Duell gegen den BVB zu einem ganz besonderen. Auf Seiten der Gegner stand ihm sein zwölf Minuten jüngerer Zwillingsbruder Sven gegenüber, mit dem er zuvor gemeinsam bei den „Sechzigern“ auf dem Platz stand. Nur zwei Wochen später folgte das erste große Highlight seiner noch jungen Bundesliga-Karriere: Drei Minuten nach seiner Einwechslung gegen Eintracht Frankfurt erzielte er den 4:0-Endstand und trug sich erstmals in die Torschützenliste ein.

Am Ende seiner ersten BL-Spielzeit brachte es Bender auf 20 Einsätze und ein Tor – und die Gewissheit, dass er ein fester Bestandteil der Mannschaft geworden ist: „Sie hätten ja auch sagen können, okay, nicht schlecht, aber wir leihen den Jungen vielleicht doch noch zu einem anderen Verein aus. Stattdessen gaben sie mir das Gefühl: Du gehörst hier hin. Das habe ich als große Auszeichnung empfunden.“ Und die Karriere ging steiler bergauf, als es sich der Youngster hätte träumen lassen: Starke 41 Pflichtspiele bestritt der Abräumer in seinem zweiten Bayer-Jahr und glänzte vor allem durch seine Einstellung. Schon immer stand für ihn der Teamerfolg im Vordergrund und dafür gab er alles.

Als Sechser räumte er vor der Abwehr auf, ging keinem Zweikampf aus dem Weg und war sich für die „dreckigen“ Metern nie zu schade, eben ein echter Teamplayer! Das ganze kombiniert mit einer guten Technik, starkem Passspiel und großem, taktischen Verständnis machte ihn schnell zu einer tragenden Säule im Bayer-System. Eigenschaften und Fähigkeiten, die auch Bundestrainer Joachim Löw auf den Plan riefen.

Highlights und Rückschläge

Nach seiner starken Saison im Bayer-Dress nominierte ihn Jogi Löw im September 2011 erstmals für das DFB-Team, ein dreiviertel Jahr später trug er den Bundesadler bei der EM 2012 auf der Brust. Das wohl größte Spiel für die Nationalmannschaft machte er im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark: Auf der ungewohnten Position als rechter Verteidiger lieferte er eine Top-Leistung ab und krönte sie letztlich mit dem 2:1-Siegtreffer.

Auf der anderen Seite der Medaille stehen neben bitteren Niederlagen, wie die 1:7-Pleite beim FC Barcelona 2012 in der Champions League auch unzählige Verletzungen. In zehn Jahren bei der Werkself verpasste Bender 110 Spiele aufgrund von Verletzungen. Doch auch davon ließ er sich zu keinem Zeitpunkt aus der Bahn werfen und kam immer wieder zurück: „Es gab für mich zwei extrem harte Jahre mit langen Verletzungspausen. Ich wurde aber nie in Frage gestellt, sondern spürte den Rückhalt im ganzen Verein.“ Ebenfalls ein Zeichen, welchen Stellenwert der aktuell dienstälteste Bayer-Akteur im Verein genießt. Und selbst in dieser Zeit konnte Lars beweisen, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Aus jedem Rückschlag ging er als Gewinner hervor und kämpfte sich zurück auf den Rasen, seiner Selbstdisziplin sei Dank.

Kapitän und Vorbild

In zehn Jahren hat es Lars Bender nicht nur geschafft, sich in einem gut besetzten Team durchzubeißen und Woche für Woche seine Leistungen abzurufen. Vielmehr geht er als erfahrenster Bayer-Spieler sowie Kapitän voran und versucht seinen Mannschaftskollegen ein Vorbild zu sein – so, wie es für ihn damals Spieler wie Simon Rolfes oder Sami Hyypiä waren. Und trotz einem Jahrzehnt als erfolgreicher Fußballer: einen Titel hat er mit seinem Herzensklub noch nie gewonnen – und das bleibt gerade deshalb sein großes Ziel.

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