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Boxen statt Business

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Nicole Wesner war eine erfolgreiche Managerin. Doch dann wollte die gebürtige Kölnerin lieber boxen. Dafür riskierte sie alles. Heute ist die 40-Jährige dreifache Weltmeisterin – und hat noch lange nicht genug
Nicole Wesner

Nicole Wesner stand in ihrer Karriere bereits in vier WM-Kämpfen, die sie allesamt gewann – zwei davon sogar durch K.o. (Foto: Alexander Pfeffel – photography.pfeffel.at)

Einmal für einen richtigen Kampf in den Boxring steigen. Dieser Gedanke lässt Nicole Wesner nicht mehr los, als sie 2009 in Wien eher zufällig mit dem Boxen in Kontakt kommt. Die gebürtige Kölnerin hat „International Business“ studiert, spricht sechs Sprachen und hat in Frankreich, Belgien und Italien gelebt, ehe sie für ihren Beruf nach Wien ging.

In der Donaumetropole besuchte die erfolgreiche Marketing-Managerin regelmäßig ein Fitnesscenter. „Ich bin wegen eines Yoga-Kurses dorthin gegangen, wollte dann jedoch das Fitnessboxen auch mal ausprobieren“, erzählt die 40-Jährige. „Schon nach der ersten Stunde war ich infiziert und habe gedacht: Was ist das für ein geiler Sport!“

Ein Leben für den Boxsport

Wesner lässt keinen Boxkurs mehr aus und entwickelt mit der Zeit „diese wahnwitzige Idee, einmal im Leben einen richtigen Kampf zu machen“. Doch dafür reicht simples Fitnessboxen nicht aus. Sie wagt den Schritt und besucht einen Boxclub in Wien. Dort wird die Businessfrau jedoch erst einmal ernüchtert. „Dort waren nur Männer, zehn bis zwanzig Jahre jünger als ich. Und ich erkannte, wie viel ich noch tun musste, um überhaupt fit ­genug für einen Kampf zu werden.“

Doch ihre Motivation ist so groß, dass sie nicht mehr von diesem Weg abzubringen ist. Die Wahl-Wienerin steigt noch im selben Jahr für ihren ersten Amateurkampf in den Ring. Sie feiert erste Erfolge und gewinnt 2011 sogar die österreichische Meisterschaft. Zu diesem Zeitpunkt trainiert sie schon mehr als 20 Stunden pro Woche.

Dann steht sie vor einer Entscheidung: Soll sie das große Risiko eingehen und mit Mitte 30 ihr Leben vollends dem Leistungssport widmen? Oder doch lieber den sicheren Weg wählen und ihren gutbezahlten Job in einem Health-Care-Konzern fortführen? Wesner entscheidet sich – für das Boxen. Dieser entbehrungsreiche Sport wird fortan zum Mittelpunkt ihres Lebens.

Nur ein Jahr später steht die Power­frau vor einem neuen Problem. „Damals gab es im olympischen Boxen in Österreich noch die Regel, dass man als Amateur nur bis zum Alter von 35 Jahren boxen durfte. Somit stand ich vor der Entscheidung, entweder Profi zu werden oder mit dem Wettkampfsport aufzuhören“, erinnert sich Wesner. Sie entscheidet sich für die Profikarriere, obwohl das ursprünglich nie ihr Plan war.

Durchboxen bis zur Weltspitze

„Mir war schnell klar, dass ein Wechsel ins Profilager nicht die große Kohle bedeutet. Aber es war die einzige Möglichkeit, um weiter zu boxen“, sagt sie. So gibt die damals 35-Jährige am 1. Dezember 2012 in Dessau ihr Profidebüt. Es sollte nur der Beginn einer erfolgreichen Karriere sein. Denn mit jedem Kampf, jeder Runde im Ring, verbessert sich die ehemalige Business-Lady als Boxerin.

Bereits seit Amateurzeiten hilft ihre überdurchschnittlich hohe Schlagkraft ihr voranzukommen. „Dadurch konnte ich vor allem in den ersten Jahren sehr viel kompensieren“, berichtet Wesner. Diese Schlaghärte hilft ihr auch im Dezember 2014, als sie gegen Gina Chamie um die vakanten WM-Titel der Verbände WBF und WIBF antritt. Wesner siegt durch K.o. in der 3. Runde. Aus der Managerin ist eine Boxweltmeisterin geworden. In den Folgejahren gewinnt sie sogar noch einen dritten Gürtel hinzu (GBU). Doch Wesner bleibt bescheiden. Sie will sich weiter verbessern, „vor allem auf der technischen und taktischen Ebene“.

Doch nicht nur als Boxerin, sondern auch als Keynote-Speakerin (Vortragsrednerin, Anm. d. Red.) ist Wesner äußerst gefragt. „Mittlerweile merke ich, dass ich auch in diesem Job gut ankomme und immer mehr Aufträge erhalte“, berichtet sie. Die gebürtige Kölnerin hält Vorträge über, Motivation und Inspiration, Strategie und Taktik. Mit Titeln wie „Grenzen gibt es nur im Kopf“ oder „Durchboxen bis zur Weltspitze“ begeistert sie ihre Zuhörer. Dazu zählen auch Mitarbeiter großer Konzerne wie Telekom Deutschland oder Daimler.

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