Köln.Sport

„Bei Handball habe ich Gänsehaut!“

In den kommenden Tagen steigt das „Velux EHF Final4“ der Handball-CL zum 10. Mal in der Lanxess-Arena. Köln.Sport sprach mit Arena-Boss Stefan Löcher, der das Final4 von der ersten Stunde an begleitete, über den Erfolg dieses internationalen Top-Events.

Steigt das „Final4“ in der Lanxess-Arena, sorgen Handballfans aus ganz Europa für Stimmung (Foto: 2018 EHF / Marcel Laemmerhirt)

Und schon steigt das nächste Jubiläum in der Sportstadt! Nachdem am 1. Mai das DFB-Pokalfinale der Frauen (Wolfsburg besiegte Freiburg 1:0) seine 10. Auflage in Köln feierte, ist nun die Handball-Champions-League dran: Am 1. und 2. Juni findet bereits zum 10. Mal das „Velux EHF Final4“ in der Lanxess-Arena statt.

Längst ist das Turnier zu einem internationalen Top-Highlight mit stets ausverkaufter Halle und Tausenden Besuchern aus ganz Europa geworden. Was das Phänomen Final4 ausmacht? Kaum einer könnte das besser erklären als Arena-Geschäftsführer Stefan Löcher, quasi ein „Mann der ersten Stunde“.

Herr Löcher, in der Lanxess-Arena steigt zum 10. Mal das Final4 der „Velux EHF Champions League“. Was dürfen die Fans zum Jubiläum erwarten?

Zunächst einmal können sich die Fans wieder auf spannende Spiele freuen. Mit KS Vive Kielce, Vardar Skopje, MKB Veszprem und dem FC Barcelona treten schließlich die vier besten europäischen Teams an, um die begehrteste Trophäe im Vereinshandball zu gewinnen. Dazu wird es wie immer ein riesiges Fandorf vor der Lanxess-Arena geben. Rund um die Spiele sorgen jede Menge Aktionen und Entertainment für ein stimmungsvolles Handballfest. Auf der Opening-Party am Freitagabend wird es ein spektakuläres Feuerwerk geben, dazu rockt unser Live-Act „Querbeat“ die Bühne.

Zuletzt erreichte 2016 mit dem THW Kiel ein deutsches Team die Runde der letzten vier, auch dieses Mal wird kein deutscher Vertreter in Köln dabei sein. Wie drückt sich das auf die Stimmung aus?

Es ist schade, dass die SG Flensburg dieses Mal den Einzug verpasst hat. Aber das wird sich auf die Stimmung an den beiden Finaltagen nicht auswirken. Die Stadt Köln, der Veranstalter EHF und wir als Arena haben uns mit dem Final4 quasi einen internationalen Status erarbeitet, der es bedingt, dass wir diesbezüglich völlig unabhängig sind. Das ist auch der wesentliche Grund dafür, weshalb sich die EHF bis 2024 an Köln als Endrundenort gebunden hat.

Wie gefällt Ihnen grundsätzlich das Konzept der EHF, die seit Jahren auf einen Mix aus Spitzensport und Entertainment setzt?

Das Konzept der EHF ist äußerst professionell und durchgetaktet. Das, was die Fans hier beim Final4 geboten bekommen, ist schon der absolute Wahnsinn. Dies spiegelt sich letztlich auch in der Tatsache wieder, dass die Veranstaltung ständig ausverkauft ist, trotz der relativ ambitionierten Ticketpreise.

Die Lanxess-Arena gilt längst als „Mekka“ des europäischen Klubhandballs. Müssen Sie sich trotzdem in Konkurrenz mit anderen Hallen in Europa begeben?

Wir können uns nicht ausruhen und stehen immer in Konkurrenz zu anderen Locations, so auch im Vorfeld der letzten Vertragsverlängerung mit der EHF bis ins Jahr 2024. Dies gilt sowohl für andere Hallen in NRW, deutschlandweit wie auch in Europa.

Erinnern Sie sich an die Entscheidung, als das Final4 beschlossen und erstmalig nach Köln vergeben wurde?

Bevor das Final4 gegründet wurde, gab es die „EHF Champions Trophy“, sozusagen eine Klub-Europameisterschaft. Als wir dann den Zuschlag für die neue Endrunde erhielten, hatten wir noch keine wirkliche Vorstellung davon, wie extrem professionell sich dieser Event entwickeln würde – und letztlich größer wird und bleibt als sein Vorläufer.

Das Final4 ist längst fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Sportstadt Köln. War das von Beginn abzusehen?

Ich glaube, der Politik in Köln waren die Dimensionen anfangs ebenso wenig klar wie uns, aber sie hat die enorme Bedeutung des Final4 schnell erkannt. Für den Profisport in der Sportstadt ist das Turnier zweifelsfrei ein großer Zugewinn, zumal es in diesem Bereich neben FC, Haien und Fortuna Köln nicht allzu viele andere „Player“ gibt.

Wie haben Sie die ersten Turniere erlebt?

In den ersten Jahren habe ich zugegebenermaßen sehr stark mitgefiebert: Wer erreicht die Endrunde in Köln? Und wer wird gegen wen ausgelost, so dass möglichst ein deutsches Team sonntags im Finale steht und es auch gewinnt? Denn ein deutscher Erfolg – wie bei der Erstauflage im Jahr 2010, als Kiel das Turnier gewann – sorgt gemeinhin für Stimmung. Doch mittlerweile bin ich diesbezüglich sorgenfrei, weil ich weiß: Ein erfolgreiches Final4 ist nicht entscheidend von einer deutschen „Note“ abhängig.

Sind Sie mittlerweile ein Handball-Fan geworden?

Bei Handball habe ich Gänsehaut, weil ich diesen spannenden, körperbetonten und schnellen Sport sehr gerne sehe. Ich verbinde viel mit Handball, nicht nur das Final 4, sondern auch die Weltmeisterschaften 2007 und 2019, die in unserer Arena stattfanden. Außerdem höre ich immer wieder, dass wir einen sehr guten Nachwuchs haben und viele Kinder und Jugendliche in Deutschland Handball spielen. Das freut mich sehr.

Gab es auch schwierige Momente in zehn Jahren Final4?

Ich erinnere mich an eine Situation vor acht Jahren, damals hatten wir Probleme mit dem Unterboden, den wir extra für das Final4 neu verlegt hatten. Allerdings schlug der Belag Wellen, so dass wir fürchteten, der Schiedsrichter würde diesen für unbespielbar erklären. Letztlich ist aber alles gut gegangen, und es hat sich niemand verletzt. Außergewöhnlich war es, als 2010 auf Island ein Vulkan ausbrach und dessen Aschewolke den gesamten Flugverkehr in weiten Teilen Europas durcheinanderbrachte. Darauf musste das zur Endrunde anreisende Team aus Barcelona seinen Flug umbuchen.

Die Fans in der Stadt hoffen seit Jahren vergeblich auf eine gewisse Nachhaltigkeit, indem endlich ein Kölner Handballteam den Weg in den Profisport findet. Warum klappt das nicht?

Ich sehe das in Bezug auf Nachhaltigkeit anders. Statistisch gesehen erfahren die Vereine zum Beispiel nach einer WM stärkeren Zulauf im Nachwuchsbereich. Dieser „Peak“ ebbt nach einer gewissen Zeit auch wieder ab. Aber die Tatsache, dass die Kids ihrem Verein beziehungsweise Sport über Jahre treu bleiben, hat doch einen viel höheren Effekt, als viele glauben.

Auf welche weiteren Sport-Events in der Lanxess-Arena dürfen sich die Fans in Zukunft freuen?

Am 12. und 13. Juli werden wir die „German Dart Masters“ der PDC World Series“ ausrichten. Das ist ein besonderer Event mit vielen Topstars, der im letzten Jahr in der Veltins-Arena stattfand und dort über 20.000 Fans anzog. Diese Besucherzahl wollen wir in Köln toppen. Für uns ist zudem der 15. Juli ein wichtiges Datum, weil an diesem Tag die Entscheidung darüber fällt, welches Land die Basketball-EM 2021 austrägt. Kommt sie nach Deutschland, werden wir die Vorrunde mit der DBB-Auswahl ausrichten. Außerdem werden wir in diesem Jahr intensive Verhandlungen mit dem DHB starten bezüglich der Handball-EM 2024. Auch am Cologne Boxing Worldcup 2020 sind wir interessiert und führen Gespräche, müssen aber bedenken, dass im Frühjahr Eishockey-Playoffs stattfinden und wir zunächst die Termine für unseren Ankermieter, die Kölner Haie, freihalten.

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