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Angriff auch in Liga drei?

Nur noch gut neun Tage, dann beginnt für Viktoria Köln das Abenteuer 3. Liga. Die Höhenberger haben sich sowohl auf dem Platz als an der Seitenlinie neu aufgestellt, um sich im Profifußball zu etablieren – und lieber früher als später anzugreifen.

Neuzugang Bernard Kyere-Mensah will mit Viktoria Köln in Liga drei für Furore sorgen (Foto: imago images / Revierfoto)

Am sonnigen Nachmittag des 11. Juni 2019 ist die Vorfreude im Sportpark Höhenberg bereits spürbar – auch, wenn bis zur Drittliga-Saison 2019/20, welche am 19. Juli 2019 beginnt, noch mehr als einen Monat hin ist. Auf den ersten Blick ist alles beim Alten, Franz Wunderlich schaut an der Seitenlinie Sohn Mike zu, wie er über den Rasen dribbelt, auf der Tribüne hat Franz-Josef Wernze Platz genommen.

Doch es sind auch neue Gesichter zu sehen in Höhenberg, das entscheidenste auf der Trainer-Position: Pavel Dotchev, langjähriger Dritt- und sogar Zweitliga-Trainer (unter anderem Sandhausen, Aue, Rostock) soll die Viktorianer erfolgreich durch ihre Premierensaison in der Dritten Liga führen.

Ziel: Klassenerhalt

„Wir wollten einen Trainer haben, der sich in der Materie der 3. Liga bestens auskennt“, sagt Viktoria-Hauptsponsor Franz-Josef Wernze. „Unser Ziel als Neuling muss es sein, nicht sofort wieder abzusteigen. Deshalb haben wir Pavel Dotchev ins Team geholt.“

Der 52-Jährige gilt als ein Trainer, der großen Wert auf fußballerische Lösungen legt und das klassische „Hintenreinstellen“ nicht seiner Philosophie entspricht. Ein Ansatz, den man in der Dritten Liga nicht ­allzu häufig beobachten kann. Aber gerade mit dieser für einen Aufsteiger doch etwas überraschenden Vorgehensweise könnte er perfekt zum künftigen Drittligisten passen.

Verstärkung aus der „Nachbarschaft“

„Wir wollen immer über das Spielerische kommen, das hat uns in der vergangenen Saison in der Regionalliga schon ausgezeichnet und passt auch gut zum neuen Trainer. Er will Fußball spielen lassen, was in der Dritten Liga nicht allzu viele Mannschaften tun“, sagt Kapitän Mike Wunderlich.

„Das wird weiter unser Weg sein, auch wir beispielsweise im Pokal gegen die Fortuna gesehen haben, dass auch andere Dinge gefordert sind.“ Sowie Kampfbereitschaft, „Dreck fressen“, Erfahrung auf einem höheren Niveau. Auch deshalb hat sich die Viktoria in der „Nachbarschaft“ – sprich Südstadt – bedient.

Mit Moritz Fritz und Bernard Kyere kommen zwei Innenverteidiger, die ihr Drittliga-Niveau bereits nachweisen konnten. Gleiches gilt für Daniel Mesenhöler, der 2019/20 wohl zwischen den Viktoria-Pfosten stehen wird. Der ehemalige Torhüter des 1. FC Köln lief zuletzt für Union Berlin und den MSV Duisburg auf, nun kehrt der gebürtige Engelskirchener zurück in die Heimatregion.

Talent und Erfahrung

Verstärkung auf der linken Defensivseite erhoffen sich die Verantwortlichen zudem von Neuzugang Fabian Holthaus, der über eine Menge Erfahrung verfügt und von Energie Cottbus kommt. Zudem konnten mit André Dej (Jahn Regensburg) sowie Dominik Lanius (Preußen Münster) zwei Neuzugänge an Land gezogen werden, die keine lange Eingewöhungszeit in Höhenberg brauchen dürften: Beide trugen schon einmal das Viktoria-Trikot, Lanius durchlief zudem einige U-Mannschaften beim Drittliga-Aufsteiger.

„Schnell an die Liga gewöhnen“

Was ist also drin in der kommenden Spielzeit 2019/20 für die Viktoria? Bis auf Timm Golley (Saarbrücken) und Felix Backszat (Rödinghausen) gab es keine allzu namhaften Abgänge, der Kader wirkte über weite Strecken der Vorsaison bis zum Zitter-Finish schlicht überqualifiziert für Regionalliga-Fußball.

Dennoch backt man in Höhenberg (vorerst) noch kleinere Brötchen. Kursierende Meldungen, der Etat der Höhenberger bewege sich in den Top-Regionen der Liga, wiegelt Sportvorstand Franz Wunderlich ab. „Ich würde uns finanziell im guten Mittelfeld sehen, mit Vereinen wie Braunschweig oder Ingolstadt können wir uns finanziell noch nicht messen“, sagt er gegenüber Köln.Sport.

Ausgeglichene Liga

In der Tat droht den Höhenberger bei ihrer Premiere in der 3. Liga eine extrem ausgeglichene Spielklasse. Mit Absteigern wie Magdeburg und Ingolstadt und großen Traditionsvereinen wie Kaiserslautern, 1860 München, Hansa Rostock oder Eintracht Braunschweig warten nicht nur attraktive Spiele, sondern auch starke Gegner und zum Teil extrem lange Auswärtsreisen im Bus auf die Dotchev-Truppe.

„Hohe Ziele zu formulieren, halte ich im ersten Jahr doch für vermessen. Wir müssen uns schnell an die Liga gewöhnen und frühzeitig die Klasse sichern“, sagt Mike Wunderlich und gibt als Kapitän eine Marschroute vor.

Dass mit der Dritten Liga jedoch das Ende der ambitionierten Viktoria-Reise erreicht ist, dürfte auch außerhalb der Kölner Stadtgrenzen jedem klar sein. In dieser Saison sind sie auf der Schäl Sick jedoch froh, dass es mit dem Profifußball endlich geklappt hat. Das ist ganz klar spürbar, an diesem sonnigen Nachmittag des 11. Juni 2019.

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