Köln.Sport

An die Kette gelegt!

Damals sollte der Effzeh transparenter werden. Demokratischer. Fannäher. Dafür wurden auf einem Papier ein paar Änderungen vollzogen. Und es gab eine neue Satzung. Aber wenig Beachtung. Derzeit zeigt sich: Das war ein Fehler! Der Köln.Sport-Kommentar zur FC-Satzung

Grafik: Köln.Sport

Die vielleicht zentralste Frage rund um das Thema „Wahl des neuen Vorstandes des 1. FC Köln bei der Mitgliederversammlung am 8. September 2019“ hatten zwei Redakteure der Kölner Lokalredaktion der „Bild“-Zeitung bereits irgendwann im Mai dieses Jahres gestellt …

Ist es eigentlich demokratisch, wenn elf Leute aus dem Mitgliederrat für 106.000 Mitglieder bei der Kandidatensuche entscheiden? Die Antwort sollte seinerzeit Wolfgang Bosbach (67) geben; der Politiker stand als Präsidentschaftskandidat und damit als neuer dritter Mann im Bunde neben den beiden, zu diesem Zeitpunkt bereits angezählten Vize-Präsidenten Harald „Toni“ Schumacher (65) und Markus Ritterbach (55) im Zentrum der Diskussion um Fragen wie:

  • Kandidiert der alte Rest-Vorstand – Präsident Werner Spinner (70) war plötzlich zurückgetreten – für eine nächste Amtsperiode?
  • Tut er das trotz fehlender Unterstützung durch den Mitgliederrat, der ein eigenes Team vorschlagen würde?
  • Wer ersetzt als neuer Präses den zurückgetretenen Spinner?
  • Und schafft es der gewiefte Polit-Taktiker Bosbach, den vom Mitgliederrat desavouierten Vizes neue Chancen auf eine Wiederwahl zu eröffnen? Und das tatsächlich auch gegen die offensichtliche Anti-Stimmung im Rat?

„Gute Frage“, begann die Antwort von Bosbach. „Jedenfalls ist das Verfahren satzungskonform und dass sich der Mitgliederrat an diesen Rechtsrahmen hält, kann man ihm nicht vorwerfen.“ Das stimmte.

Gleichwohl, so wie sich die Situation dann entwickelt hat, wäre die Frage nach einem korrekten, ergebnisoffenen Prozess – vielleicht tatsächlich nach Demokratie – heute noch ebenso legitim wie damals im Mai.

Ist das demokratisch?

Denn ist es in Ordnung, wenn ein Mitgliederrat schon frühzeitig seine Distanz und Ablehnung des handelnden, zur erneuten Kandidatur offensichtlich bereiten Präsidiums derart kultiviert? Ist es dann nicht so, dass der Mitgliederrat so offensichtlich schon frühzeitig Wahlkampf betreibt?

Ist es dann auch noch akzeptabel, wenn der Vorsitzende des Mitgliederrates, plötzlich und tatsächlich legitimiert durch eine seinerzeit erneuerte Satzung, in dieser brisanten Gemengelage zum Interims-Vorstandsvorsitzenden wird? Wodurch ein Vorstand wie unterwandert wirkt, weil Misstrauen und Antipathie plötzlich zur Basis von Zusammenarbeit wird.

Ist es denn nicht so, dass auch dadurch bereits ein demokratischer Prozess torpediert wird? Und ist es dann demokratisch, wenn Kandidaten (hier Schumacher, Ritterbach) vor einer Findungskommision aus ausgewählten Mitgliederräten antreten müssen, die sicher eines nicht sein können: unvoreingenommen?

Ist es außerdem demokratisch, wenn unter dem Banner „Ruhe im Verein“ ein möglicher Wahlkampf als „vereinsschädigend“ gelabelt wird? Wenn bereits nicht mal namentlich genannte, potenzielle Kandidaten als Quertreiber direkt zum Abwinken genötigt werden? Wenn tatsächliche Gegenkandidaten vom ersten Moment an die Marke „Gegen-den-Klub“ wie ein Brandmal tragen? Ist es demokratisch, wenn dadurch ein Vereinsmitglied bei einer Wahl eigentlich keine Wahl hat?

Räte über Räte

Mmmmhhh … wirklich gut beraten? Dabei könnte der Effzeh ja schon so etwas sein wie – Politologen weghören! – eine Rätedemokratie. Oder Räterepublik, über die Wikipedia schreibt, sie sei „ein politisches System, bei dem über ein Stufensystem sogenannte Räte gewählt werden. Die Räte sind direkt verantwortlich und an die Weisungen ihrer Wähler gebunden“.

Okay, gewählt wird nur der Mitgliederrat. Und der Vorstand, naja, irgendwie … Aber Räte, meine Herren, Räte gibt es reichlich in der rot-weißen Republik: Da ist also der Vorstand, so etwas wie der oberste Rat. Der Beirat. Der Aufsichtsrat. Und eben der Mitgliederrat; der sich zuletzt auch noch eine Art Rat im Rat geleistet hat, nämlich die eben schon erwähnte Findungskommission.

Mehr als 30 Personen, hat die „Sport-Bild“ mal geschrieben, die informiert werden und mitreden wollen. Deshalb gibt es auch noch eine Art ober-obersten Rat, der heißt dann Gemeinsamer Ausschuss, der laut Sport-Bild alle wichtigen Entscheidungen der Geschäftsführung (Alexander Wehrle und Armin Veh) absegnen muss.

Und wenn es dann an Kompetenz fehlt, wird beim Effzeh ein neuer Rat gegründet. Zum Beispiel ein Kompetenzteam in Sachen Fußballsachverstand, mit dem das wahrscheinlich kommende Vorstandsteam nicht wirklich glänzen kann. Also kommt zu den bestehenden Räten noch ein „Kompetenzrat Sport“ dazu, damit der Gemeinsame Rat, äh, Ausschuss, auch kompetente Beratung hat, um die Pläne von GF Sport Armin Veh auch entsprechend zu beurteilen, durchwinken oder ablehnen zu können.

Wobei, das macht doch dann der … Mitgliederrat? Stop, der Vorstand! Oder doch der Gemeinsame Ausschuss? Egal, aber was meinen Sie, wie das ankommt bei denen, die den Effzeh tatsächlich führen sollen? Dank ihrer Kompetenz selbstverständlich qualifiziert. Möglichst erfolgreich. Und auf jeden Fall aber verantwortlich, dafür werden sie ja bezahlt.

Als Antwort reicht da schon zur Beurteilung ein Armin-Veh-Statement aus dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Meiner Meinung nach sollte man die Entscheidung, die ein Geschäftsführer Sport fällt, wenn er transparent arbeitet, akzeptieren. Wir sind selbst ein Kompetenzteam. Erklären kann ich alles – diskutieren geht mir aber zu weit.“ Kann ich nachvollziehen.

Die Hüter der Satzung

Irgendwie hängt es derzeit beim Effzeh. Glaubt zwar keiner. Redet derzeit auch keiner drüber. Will auch keiner was von wissen. Wegen: Aufstieg. Und jetzt Fokus auf Fußball. Aufs Team. Auf Neue und Alte. Auf 1. Bundesliga. Auf Klassenerhalt. Schon okay! Und irgendwie auch richtig! Aber, es brodelt trotzdem.

Schuld sind die damaligen Korrekturen an der Satzung, die der alte Vorstand mit Experten und Kritikern wie Stefan Müller-Römer ausgehandelt hat. Ein Dokument, das zum Beispiel einem Mitgliederrat außerordentliche Befugnisse und Einblicke garantiert. Das es dem Gremium ermöglicht, nach Gutsherrenart die Besetzung eines Vorstandes zu steuern.

Ihm sogar freien Zugriff gestattet auf den mittlerweile auch bezahlten Chefposten im Verein, wenn der amtierende Präsident abtritt oder dazu motiviert wird. Ein Papier, das den Mitgliederrat zu einer extrem starken politischen Machtposition verhilft, die Kontrolle zweckentfremden und sogar Gewaltenteilung im Verein pulverisieren kann. Und das primär zu Lasten der operativ Verantwortlichen und allen Hauptamtlichen. Vielleicht sogar zu Lasten des Vereins, des 1. FC Köln. Was dann die Eingangsfrage weiterhin zulässig macht: Ist das alles wirklich demokratisch?

Von Fred Wipperfürth

3 Kommentare

  1. Engelbert Faßbender

    19. Juli 2019 at 17:34

    Wenn weniger mitreden, ist also mehr Demokratie? Bestechende Logik! Nur mal ein kleiner Hinweis: Die Regelung im der FC-Satzung ist immerhin demokratischer als im politischen System unserer Republik. Der (als Repräsentant der Mitgliederr gewählte) Mitgliederrat macht einen Vorschlag (!). Gewählt wird von den Mitgliedern, von denen auch jeder kandidieren kann, wenn er die entsprechende Unterstützung bekommt. In den Parlamenten dieser Republik, auch in jenem, dem Herr Bisbach angehörte, entscheiden (!) die Repräsentanten (= Abgeordneten)) über die Regierung. Das Volk wird dann nicht mehr gefragt. Nach der Diktion des Kommentars ist das ja offenbar noch weniger demokratisch. Es fällt im Übrigen nicht ur hier auf, dass Kritik an den Regeln meist vor allem von jenen kommt, denen der Vorschlag nicht passt. Trotzdem dürfte die Rückkehr zum „Sonnenkönig-System“ oder zum Auskungeln im Hinterzimmer keine wirkliche Alternative sein.

  2. ULHAAS

    19. Juli 2019 at 18:34

    Der Mitgliederrat gehört abgeschafft. Der Verein muss wie ein Dax Unternehmen geführt werden. Ich werde die Leute nicht
    Wählen.

  3. Klaus Schneppenheim

    21. Juli 2019 at 5:38

    Es hat eine Menge Warner gegeben, die Stefan Müller- Römer (SMR) unterstellten, daß er sich den Weg zum Vereinspräsidenten in die neue Satzung reingeschrieben hat ! Die Kritiker wurden als „Verschwörungstheoretiker“ beschimpft und es kehrte für die erste Amtszeit des Mitgliederrates so etwas wie Ruhe ein. Bei der ersten Neuwahl nach 2 Jahren bestellte sich SMR erneut zum Vorsitzenden des Mitgliederrates, obwohl er nicht die meisten Mitglieder- Stimmen bekam ! Da war es den seinerzeitigen Kritikern schon klar, daß SMR, daß SMR sein Ziel, Präsident des 1. FC Köln zu werden, schneller erreichen würde, als jemals jemand geahnt hatte ! Da die „Südkurve“ den Vorstand, trotz Erreichen der Euroleague (nach 25 Jahren internationaler Pause) insgesamt permanent kritisierte, obwohl der Vorstand selbst nicht viel falsch machte und den auf Trainer Stöger folgenden, erneuten Abstieg in die 2. Liga nicht zu verantworten hatte, gab Präsident Werner Spinner nach überstandener Krankheit entnervt auf, als zusätzlich aus dem engsten Kollegenkreis noch mit Indiskretionen gegen ihn gearbeitet wurde. Und schon war sie da, die Gelegenheit für SMR, das Präsidentenamt (kommissarisch) zu übernehmen und somit das Vorschlagsrecht für ein neues Präsidium auf der nächsten JHV zu haben. Zumindest im Moment hat SMR es schon mal geschafft, beim 1. FC Köln der mächtigste Mann zu sein ! – Konnte ja keiner ahnen ???

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.