Köln.Sport

Alles neu beim ASV

Ein neuer Vorstand, ein hochmodernes Fitnessstudio und große Pläne für das neue Jahr: Beim ASV Köln ist aktuell fast gar nichts mehr beim Alten. Die meisten Mitglieder sind erfreut über diese Veränderung – einige äußern sich aber auch kritisch
ASV

Mit seinem von Grund auf renovierten Fitnessbereich möchte der ASV in Zukunft wieder attraktiv für neue Mitglieder werden (Foto: ASV Köln)

Auf den 9. Dezember dieses Jahres hatte man beim ASV Köln lange gewartet. Mit der Neueröffnung des frisch renovierten Fitnessbereiches bricht bei dem Kölner Kultverein eine neue Zeitrechnung an. „Wir hatten einen fantastischen Sonntag, ich schätze, es waren insgesamt über 1.000 Menschen hier“, sagt Günter Dibbern, seit Mitte Juni dieses Jahres Präsident des ASV Köln. Es war das erste große Vereinsfest seit seiner Wahl – und Dibbern hätte es sich wohl kaum schöner vorstellen können. „Viele Menschen haben sich ein gutes Bild von unserem ASV im neuen Glanz machen können. Und auch die Mitglieder haben die Gelegenheit genutzt, ihren ASV Köln ganz neu zu entdecken.

Vor rund zwei Jahren hatte es noch nicht so ausgesehen, als ob dies überhaupt möglich werden könnte. „Im Prinzip war der Verein nah an der Insolvenz, wies seit Jahren defizitäre operative Ergebnisse und eine daraus entstandene Überschuldung, mit weniger Werten als Verbindlichkeiten, auf“, erklärt ASV-Geschäftsführer Alexander Mronz, der sein Amt Ende 2016 angetreten hatte. Damals belief sich der Schuldenstand auf rund viereinhalb Millionen Euro, wie Mronz erklärt. „Eine hohe Schuldenlast, mit hohen Zins- und Tilgungszahlen, sodass der Verein Anfang 2017 kaum mehr in der Lage war, seinen Kapitaldienst zu leisten. Das ganze Jahr 2017 war absolute Millimeterarbeit“, versichert Mronz, der damit nur erahnen lässt, wie schlecht es um den 1929 gegründeten Verein stand.

„Wir sind viel mehr als ein Fitnessclub“

Nun sieht es jedoch so aus, als befände sich der Verein auf dem Weg der Besserung. Dafür ist das neue Fitnessangebot unerlässlich. „Wir sind viel mehr als ein Fitnessclub, wir bleiben ein Verein mit einem breiten Spektrum, das hebt uns von anderen, herkömmlichen Fitnessstudios ab“, betont der ASV-Geschäftsführer, fügt aber hinzu: „Dennoch ist die Fitnessabteilung mit 1.900 unserer insgesamt etwa 4.000 Mitglieder die ertragsstärkste Sparte. In den vergangenen Jahren sind uns etwa 800 Mitglieder verloren gegangen, und wir haben überlegt, wie wir möglichst viele von ihnen zurückholen können. Und das geht vor allem über die Attraktivität des Fitnessbereichs.“ Das Konzept trägt bereits erste Früchte, laut Mronz konnten allein in der mehrmonatigen Umbauphase bereits 100 neue Mitgliedsverträge abgeschlossen werden – doch das soll erst der Anfang sein.

„Wir sind sehr optimistisch, was das neue Jahr angeht“, blickt Präsident Dibbern in die Zukunft. „Die Zielsetzung ist, dass wir, wenn möglich, schon im kommenden Jahr 250 bis 300 neue Mitglieder gewinnen. Das wird natürlich nicht in wenigen Wochen gehen, aber wir haben den Anspruch, an frühere Erfolgszahlen anzuknüpfen.“ Das soll nicht nur für den Bereich Fitness gelten. „Wir reden auch über Frisbee, Kindersport, Cheerleading, Floorball und Karate, aber eben auch über Leichtathletik und Triathlon. Auch in diesen Abteilungen wollen wir nach und nach einen Wandel herbeiführen“, sagt Mronz.
Der ehemalige Tennisprofi und heutige Finanzexperte macht aber kein Geheimnis daraus, dass die Situation nach wie vor diffizil ist. „Wir sind noch immer in einer ganz schweren Sanierungsphase, sprechen von einem Schuldenschnitt mit Besserungsschein von 2,5 Millionen Euro, das ist öffentlich einsehbar. Und so einen Betrag an Schulden erlässt die Bank nur, wenn es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gibt und ein plausibler Plan zur Sanierung der operativen Ergebnisse vorliegt“, sagt Mronz.

Das oberste Ziel ist also die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Stabilität im Verein. Das geht zum einen über Sponsoren – und vor allem neue Mitglieder. Die bisherigen sind jedoch ebenfalls fast ausschließlich, so der neue Klubchef, vom neuen Angebot begeistert. „Anna Gehring ist ja eine unserer absoluten Vorzeigeathletinnen, und sie hat selbst noch kürzlich zum Ausdruck gebracht, wie wohl sie sich in dieser familiären Atmosphäre des ASV Köln fühlt“, sagt Dibbern. Der neue Vereinspräsident hat sich für seine Amtszeit einiges vorgenommen. Er sieht seine Aufgaben grob in drei Bereiche unterteilt, um den ASV wieder dorthin zu führen, wo er in der eigenen und öffentlichen Wahrnehmung vor einigen Jahren noch stand. Da wäre zum einen die Verbesserung der operativen Exzellenz: „Da sind wir schon wunderbar unterwegs, die Wiedereröffnung des ASV Köln im neuen Glanz war eine wichtige Duftmarke, um die Vereinsfähigkeiten noch einmal stärker zum Ausdruck zu bringen“, so Dibbern.

Der zweite Bereich ist die strategische Weiterentwicklung. „Da geht es um die Frage: Wie wollen und können wir unserer sportpolitischen und gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden?“ Schließlich ist der ASV Köln ein gemeinnütziger Verein und sieht sich auch als solcher. „Und der dritte Punkt ist die personelle Fundierung und Sicherstellung, um den Verein in eine stabile Zukunft führen zu können.“ Dibbern räumt ein, dass man unter anderem im mittlerweile sechsköpfigen Verwaltungsrat nicht ideal besetzt gewesen sei. Nun versuche man, „die bestgeeigneten Personen für die verschiedenen Verantwortungsbereiche des Vereins zu finden.“

„Zwingend notwendiger Wandel“

Eine dieser Persönlichkeiten soll der ehemalige Finanzminister von Nordrhein-Westfalen sein. „Wir sind sehr froh, Norbert Walter-Borjans für die ehrenamtliche Arbeit als kooptiertes Mitglied im Vereinsvorstand gewonnen zu haben. Er arbeitet mit seinen Kompetenzen und seinem Netzwerk schon jetzt im Hintergrund mit und wird sich bei der nächsten Mitgliederversammlung im Juni dann auch offiziell zur Wahl stellen“, verrät Dibbern. „Darüber hinaus mache ich keinen Hehl aus meiner Meinung, dass uns auch eine weibliche Ergänzung im Vorstand noch guttäte“, gesteht er. Derzeit sitzt lediglich eine Frau, Oberbürgermeisterin Henriette Reker, auf einer der wichtigen Positionen im Verein.

Es wird also deutlich: Der ASV hat schon jetzt einen großen Wandel vollzogen, der 2019 noch fortgeführt werden soll. All diese Veränderungen sind laut Präsident und Geschäftsführer „zwingend notwendig“ und brechen zum Teil auch die beim ASV bislang vorherrschenden Verhältnisse auf – was nicht ausschließlich auf Gegenliebe stößt. In einem Brief an Präsident Günter Dibbern, der Köln.Sport vorliegt, äußert eine sechzehnköpfige Gruppe von Mitgliedern, die dem ASV teilweise bereits über 40 Jahre angehören, Kritik an Vorstand und Geschäftsführung. Dabei begrüßen die Mitglieder die vorgenommenen finanziellen Verbesserungen durch Geschäftsführer Alexander Mronz, und bezeichnen auch die baulichen Veränderungen beim ASV als „begrüßenswert“. Andere Abläufe im Verein werden jedoch kritisiert.

So wundern sich die Mitglieder etwa über eine „Dezimierung des Verwaltungsrates“. Bei der letzten Mitgliederversammlung seien lediglich noch zwei der zu diesem Zeitpunkt noch acht Verwaltungsratsmitglieder erschienen. Auch der Rückzug namhafter Sponsoren, beispielsweise von Galeria Kaufhof oder Gerolsteiner, ist ein Kritikpunkt, weil dadurch der traditionelle Brückenlauf nicht stattfinden konnte. Und dass das Sommerfest nicht veranstaltet wurde, hat ebenfalls den Ärger der Unterzeichner hervorgerufen, die obendrein auch Kritik am Auftreten von Geschäftsführer Alexander Mronz ihnen gegenüber äußern.

“Da fehlt ein Stück weit die Akzeptanz“

„Kritik gibt es überall, in der Gesellschaft wie im Vereinsleben“, sagt Günter Dibbern. „Als wir diese Kritik Mitte des Jahres wahrnahmen, haben wir uns sehr bemüht, darauf ein- und auf die Kritiker zuzugehen“, versichert er. „Nehmen wir etwa den Verwaltungsrat: Wenn man hochkarätige Personen im Verwaltungsrat hat, muss man sich im Klaren darüber sein, dass deren Präsenz nicht so ausgeprägt sein kann wie die der anderen Mitglieder – auch wenn ich immer wieder versuche, jeden zu motivieren, an den Gremiensitzungen teilzunehmen. Sie sind aber auf jeden Fall bei jeder großen Entscheidung involviert. Das ist ja auch satzungstechnisch so vorgesehen“, sagt Dibbern.

Für den Ausfall von Veranstaltungen wie dem Brückenlauf hat Geschäftsführer Stefan Mronz eine Erklärung: „Dass wir Sponsoren verloren haben, ist eine Tatsache. Aber wenn der Kaufhof als langjähriger Sponsor abspringt, muss die Frage erlaubt sein, ob es nicht vielleicht auch daran liegt, dass das Unternehmen sich generell aus dem Sponsoring zurückzieht“, sagt er. Doch vor allem der Vorwurf in Richtung Geschäftsführer wiegt in dem Brief schwer. Dort wird von „oft ungeschicktem Auftreten und mangelnder Kommunikation gegenüber Mitgliedern“ gesprochen. Mronz dazu selbst: „Ein Stück weit befürchte ich, dass der ein oder andere mit dem Wandel, der hier zwingend vollzogen werden muss und gewollt ist, um einen modernen und zukunftsorientierten Verein zu entwickeln, seine Schwierigkeiten hat“, sagt er. Er selbst sei „zu jedem Gespräch offen gewesen, nur oft haben die Leute wahrscheinlich nicht das gehört, was sie gerne hören wollten. Da fehlt bei manchen dann in gewisser Hinsicht die Akzeptanz, gewisse Realitäten auch anzunehmen.“

Zu all diesen Kritikpunkten hatte Dibbern den verärgerten Mitgliedern selbst in Briefform geantwortet, für eine Stellungnahme gegenüber Köln.Sport waren die Unterzeichner und betroffenen Personen auf Nachfrage nicht bereit. Unabhängig von der Kritik, die sich die Verantwortlichen, wie sie betonen, definitiv zu Herzen nehmen, werden und müssen sie die Veränderungen in dem Kölner Kultverein weiter vorantreiben. Damit der „neue Glanz“, in dem sich der ASV seinen Mitgliedern vor Kurzem präsentiert hat, auch dauerhaft anhält und der Verein in der Kölner Sportlandschaft dorthin zurückkehrt, wo er laut Selbstverständnis hingehört.

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