Köln.Sport

Abschied mit Knall

Werner Spinner ist am Mittwochabend vorzeitig von seinem Amt als Präsident des 1. FC Köln zurückgetreten. Eine Entscheidung, die aufgrund der vergangenen Wochen praktisch alternativlos war. Der Köln.Sport-Kommentar.
Kommentar

Mit seinem Rücktritt nimmt Werner Spinner vorzeitig Abschied vom Geißbockheim. (Foto: imago/Deutzmann)

Nein, allseits beliebt war Werner Spinner bei den FC-Fans nicht. Zumindest in den vergangenen Wochen, Monaten, ja, Jahren, zu Beginn seiner Amtszeit 2012 flogen ihm und seinen Vizepräsidenten Toni Schumacher und Markus Ritterbach noch die Herzen zu. Sie hatten die Aufgabe, den 1. FC Köln nach den schwarzen Rauchwolken über der Südkurve samt Abstieg und Radikalumbruch im Sommer an der Spitze stehend wieder zurück in glorreichere Zeiten zu führen. Spinner und seine Vorstandskollegen zeigten Demut, wirkten nahbar, fast sch0n bescheiden. Erfrischend, nach zu großen Teilen chaotischen Vorjahren mit wenig Konstanz und Abgeklärtheit an der Vereinsspitze.

Unter Spinners Ägide fällt ein Aufstieg, die erste Europapokal-Teilnahme seit 25 Jahren – aber eben auch ein Abstieg, der in den Augen aller Beteiligter mehr als vermeidbar gewesen war und nicht an einem einzelnen Spieltag entschieden wurde, sondern durch langsames Dahinseichen, ohne, dass jemand aus der Führungsriege wirklich konsequent versucht hätte, den Abwärtsstrudel zu stoppen. Das kann kein Mensch alleine, auch kein Präsident – dennoch wurde es spätestens nach Feststehen des Abstiegs auch Spinner zu Lasten gelegt, dass er kein Machtwort sprach oder mit der Faust öffentlichkeitswirksam auf den Tisch haute. Und von diesem Gang in die Zweite Liga haben sich weder er, noch der 1. FC Köln aktuell bereits erholt.

Was hinterlässt Werner Spinner beim 1. FC Köln? Einen wirtschaftlich gesunden Klub, der bei seinen im positiven Sinne verrückten Fans trotz Krisen und sportlicher Misserfolge bei den Fans mehr boomt, denn je. Aber auch tiefe Spaltungen, beispielsweise mit der aktiven Fanszene oder sogar im Binnenverhältnis auf der Führungsebene. Es gibt viele, die bei der Nachricht von Spinners vorzeitigem Rücktritt gejubelt haben werden, manche werden getrauert haben, schließlich wurde Spinner doch auf der vergangenen Mitgliederversammlung noch relativ deutlich in seinem Amt bestätigt.

Zum Ende bleibt letztlich nur noch zu sagen, dass nicht alles gut war in der Zeit Werner Spinners beim 1. FC Köln – aber, und das wird vor allem in der letzten Zeit gerne vergessen, auch längst nicht alles schlecht. Der Führungsebene zwingt er nun, sich neu zu ordnen, was auch eine große Chance sein kann, die alteingesessenen Strukturen, von denen Armin Veh nach dem Sieg in Ingolstadt sprach, aufzubrechen. So oder so hat Spinner mit seinem Abschied für einen Knall gesorgt, der auch in den nächsten Wochen noch nicht wirklich verstummen wird.

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